Experte vermutet hohe Dunkelziffer bei antisemitischen Vorfällen

Der Berliner Antisemitismus-Forscher Uffa Jensen vermutet bei antisemitischen Vorfällen in Deutschland eine hohe Dunkelziffer. Juden berichteten verstärkt davon, dass sie Schmähungen oder Beleidigungen ausgesetzt seien, sagte Jensen, der am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin forscht, am Dienstag dem MDR. Antisemitismus greife besonders im Internet um sich. Das spiegele sich aber bislang nicht in der Zahl der Anzeigen wider.

Dem Forscher zufolge nehmen antisemitische Aktivitäten vor allem dann zu, "wenn der Nahostkonflikt hochkocht". Die meisten Täter seien Rechtsextremisten, häufig seien es aber auch Muslime. "Wenn man Juden in Deutschland heute fragt, von wem sie am meisten Antisemitismus erleben - also von wem sie angepöbelt oder beleidigt werden -, dann kommt häufig die Aussage, das sei von Muslimen", sagte Jensen.

Als Historiker sei er immer wieder überrascht, wie stark sich die Gesellschaft an bestimmte antisemitische Vorurteile erinnert, von denen er gedacht habe, diese seien seit dem Mittelalter ausgestorben, sagte der Forscher. Heutzutage komme man zudem leichter an antisemitisches Material als früher, etwa über soziale Netzwerke. 

Ferner verwies der MDR auf den Grünen-Politiker und Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, Volker Beck, demzufolge es im ersten Halbjahr 2017 allein 681 antisemitische Vorfälle in Deutschland und damit einen leichten Anstieg gab. Von den Straftaten, die angezeigt wurden, seien 92,8 Prozent rechtsextrem motiviert.