Ditib warnt vor Intoleranz in der Gesellschaft

Der türkisch-islamische Verband Ditib warnt vor einer wachsenden Intoleranz in der deutschen Gesellschaft. "Wir erleben heute wieder Anfeindungen auf unseren Straßen, die wir für überwunden hielten", schreibt der Ditib-Vorsitzende Nevzat Asikoglu in seiner am Freitag in Köln veröffentlichten Weihnachtsbotschaft.

"Menschenfeindlichkeit und das Infragestellen unserer freiheitlich-demokratischen Werte auf vielen Ebenen unserer Gesellschaft werden bedauerlicherweise zunehmend salonfähig", erklärte der Ditib-Vorsitzende. Auch der Umgang mit religiösen Minderheiten in der Welt stimme "sorgenvoll".

Die Religionsgemeinschaften müssten sich gegen Hass und für den Zusammenhalt der Gesellschaft positionieren, erklärte Asikoglu. 2017 habe das Reformationsjubiläum evangelische, katholische, orthodoxe, jüdische und muslimische Gläubige in Deutschland näher zusammen gebracht, lobte der Ditib-Vorstandsvorsitzende.

Die Frage nach der Verfassungstreue von Ditib beschäftigt die Behörden in Deutschland immer wieder. Anfang Dezember stellte der Generalbundesanwalt Ermittlungen gegen Imame des türkischen Islam-Verbandes wegen mutmaßlicher Agententätigkeit ein. Die Geistlichen waren verdächtigt worden, im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet Anhänger der Gülen-Bewegung ausspioniert zu haben, die Erdogan für den Putschversuch verantwortlich macht. Bei einigen habe sich der Verdacht nicht erhärtet, bei anderen seien die Vorwürfe als geringfügig eingestuft worden, hieß es. Wieder andere hätten Deutschland mittlerweile verlassen.



Dass die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen einstellte, stieß auch Kritik. Die Berliner Anwältin Seyran Ates bezeichnete es als "Schweinerei". Auch dass Ditib immer noch mit staatlichen Vertretern am Verhandlungstisch sitze, etwa als Ansprechpartner für den Religionsunterricht an Schulen und Lehrstühle an Universitäten, verurteilte die Berliner Menschenrechtlerin diese Woche in der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Ditib sei keine Interessenvertretung der Muslime in Deutschland, sondern eine Vertretung des türkischen Staates, warnte sie.