Jerusalem: Trump-Entscheidung bringt "massiven Ärger"

Jerusalem

Foto: dpa/Evan Vucci

US-Präsident Donald Trump hat den Palästinenserpräsidenten über seine Absicht informiert, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Der Präsident besuchte im Mai 2017 an der Klagemauer in Altstadt von Jerusalem.

Der Nahost-Experte und frühere bayerische evangelische Landesbischof Johannes Friedrich hält es für "höchst gefährlich", Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Jerusalem sei Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen heilig, betonte Papst Franziskus.

Dieser Schritt würde "massiven Ärger" bei den Palästinensern und gewaltsame Unruhen hervorrufen, sagte der einstige Propst von Jerusalem und EKD-Nahostbeauftragte am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). US-Präsident Donald Trump wollte Medienberichten zufolge noch am Mittwoch Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkennen.

Trumps Entscheidung bezeichnete Friedrich als "fatal". Das wäre eine einseitige Positionierung zugunsten Israels. Damit fielen die USA als Vermittler im Nahost-Konflikt völlig aus. Der Friedensprozess sei schwierig genug, nun könnte er ganz zum Erliegen kommen, befürchtet Friedrich.

Jerusalem - eine Stadt für alle Religionen

Er sehe die Zwei-Staaten-Lösung als einzige Möglichkeit für Frieden in der Region, betonte der Theologe. Diese sei schon durch die Siedlungspolitik Israels immer unwahrscheinlicher geworden und werde mit der Entscheidung Trumps noch einmal schwieriger. "Ich bin sehr resigniert, was die Friedensmöglichkeiten betrifft", sagte Friedrich. Palästinensergruppen haben bereits zu "Tagen des Zorns" aufgerufen.

Die Botschaft der USA in Tel Aviv.
Auch Papst Franziskus warnt vor einer Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels durch die USA. Bei der Generalaudienz am Mittwoch in Rom äußerte er sich zutiefst besorgt über die Pläne von US-Präsident Donald Trump, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Angesichts der Gefahr wachsender Spannungen zwischen Israel und den Palästinensern rief der Papst dazu auf, den Status der Stadt zu schützen, wie es die Resolutionen der Vereinten Nationen vorsähen.

Jerusalem sei Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen heilig, betonte Franziskus. Die Stadt habe eine besondere Berufung zum Frieden. "Ich bete dafür, dass diese Identität zum Wohl des Heiligen Landes, des Nahen Ostens und der ganzen Welt bewahrt und bestärkt werde", sagte der Papst. Zugleich warnte er davor, in einer von grausamen Konflikten gezeichneten Welt für wachsende Spannungen zu sorgen.

Das Kirchenoberhaupt hatte am Vorabend in einem Telefongespräch mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas über die Lage beraten, nachdem die Pläne Trumps bezüglich der US-Botschaft in Israel bekanntgeworden waren. Der Palästinenserpräsident habe nach einer Unterredung mit Trump, der ihm seine Pläne erläutert habe, das Gespräch gesucht, teilte Vatikansprecher Greg Burke mit.

Der politische Status von Jerusalem ist eines der heikelsten Themen im Nahost-Konflikt: Die Palästinenser beanspruchen das arabisch geprägte Ost-Jerusalem als Hauptstadt für einen künftigen eigenen Staat, Israel dagegen Jerusalem als Ganzes. Im Sechs-Tage-Krieg 1967 eroberte Israel die Osthälfte und annektierte sie später. Die internationale Staatengemeinschaft erkannte diesen Schritt nicht an.