TV-Tipp: "Der Tel-Aviv-Krimi: Alte Freunde" (ARD)

30.11., ARD, 20.15 Uhr
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Es ist zunächst etwas irritierend, dass "Alte Freunde", die vierte Episode aus der ARD-Reihe "Der Tel-Aviv-Krimi", so gar nicht an das Ende des letzten Films anknüpft; immerhin hat die Information, dass sie adoptiert ist, das Dasein von Heldin Sara Stein in seinen Grundfesten erschüttert. Ihr Mann David erwähnt es später beiläufig, aber ansonsten konzentriert sich das Drehbuch weitgehend auf den Fall, der auf geschickte Weise auch das Privatleben integriert, denn David spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die eigentliche Krimihandlung beginnt mit dem Fund eines abgetrennten Armes am Strand. Die Nachforschungen ergeben, dass er dem Leiter einer Menschenrechtsorganisation gehört. Der Mann ist gefoltert und dann ertränkt worden. Interessant wird die Geschichte, als immer mehr Spuren zu einer Gruppe alter Kriegskameraden führen; Mitglieder der Einheit waren neben dem Bruder des Mordopfers nicht nur Saras Kollege Blok (Samuel Finzi), sondern auch David (Itay Tiran). Aber was haben sie mit dem Mord zu tun? Und welche Rolle spielt Bloks charismatischer Freund Yoram (Jacob Daniel), auch er einer der Veteranen, die sich regelmäßig treffen?

In "Masada", der dritten Episode der Reihe, war ein 2.000 Jahre zurückliegendes Ereignis der Schlüssel zur Geschichte; diesmal geht es also um die jüngere Vergangenheit. Seine Spannung bezieht der Film natürlich aus der Tatsache, dass ausgerechnet die beiden Männer, die der Polizistin am nächsten stehen – der eine beruflich, der andere privat – in das Verbrechen verwickelt sind. Kurze Rückblenden deuten an, dass die Männer während ihrer gemeinsamen Kriegszeit ein Erlebnis hatten, das zumindest einige von ihnen traumatisiert hat. Erneut zeigt sich zudem, wie gut die Idee war, die Krimis aus Sicht einer ausgewanderten deutschen Jüdin zu erzählen: weil Sara immer noch dabei ist, sich ins israelische Seelenleben einzufinden. Dazu zählt neben der permanent präsenten Kriegsgefahr auch das Bewusstsein, von Feinden umzingelt zu sein. Zumindest dieses Gefühl kann die Heldin nachvollziehen, muss sie sich doch wieder mal fragen, ob sie ihrem Kollegen Blok trauen kann; selbst Godin, ihr Chef (Gill Frank), scheint etwas vor ihr zu verbergen. Und so erweist es sich ein weiteres Mal als brillante Idee, dass die Verantwortlichen Samuel Finzi für die Rolle von Sara Steins Partner als guter und böser Bulle in einer Person gewinnen konnten: Der gebürtige Bulgare versteht es wie nur wenige andere, undurchschaubare Männer mit Geheimnissen und Vergangenheit zu verkörpern. Im Kommissariat tummeln sich ohnehin einige ziemlich markante Typen, die eher wie Strauchdiebe als wie Polizisten aussehen; umso stärker sticht die attraktive Kollegin Hanan (Bat-Elle Mashian) heraus, mit der Sara diesmal wesentlich enger zusammenarbeitet als mit Blok.

Während Regisseur Matthias Tiefenbacher und Kamermann Holly Fink in "Masada" für faszinierende Landschaftsbilder sorgten, spielt "Alte Freunde" weitgehend in Tel Aviv. Dafür machen Sara und David einen Ausflug nach Jerusalem. Der Anlass hat mit der eigentlichen Geschichte jedoch gar nichts zu tun und wirkt deshalb wie ein Vorwand, um die optische Ebene des Krimis durch ein bisschen Augenfutter aufzuwerten. Das Drehbuch stammt diesmal von Britta Stöckle und Josef Rusnak, ist aber, wie im Vorspann ausdrücklich erwähnt wird, nicht nur von Tiefenbacher, sondern auch von Fink überarbeitet worden. Dass Regisseure eine eigene Fassung schreiben, ist nicht ungewöhnlich; dass sich auch der Kameramann daran beteiligt, allerdings schon. Wer auch immer welche Akzente gesetzt hat: Abgesehen vom überflüssigen Jerusalem-Trip ist "Alte Freunde" nicht weniger sehenswert als die bisherigen Episoden. Die Frage, was Blok und David mit den aktuellen Ereignissen zu tun haben, sorgt naturgemäß für besondere Spannung. Auch die Rahmenhandlung ist interessant: Der Film beginnt mit der Vernehmung eines palästinensischen Jugendlichen, der angeblich eine Ladenbesitzerin schwer verletzt hat. Für Saras voreingenommene Kollegen steht die Schuld des Jungen außer Frage; sie hingegen lässt ihn laufen. Später zeigt sich, dass Blok und Godin nicht immer falsch liegen.

Im Unterschied zu vielen anderen Auslandsreihen der ARD-Tochter Degeto werden die Israelis in den "Tel Aviv"-Krimis tatsächlich von einheimischen (und gut synchronisierten) Schauspieler verkörpert. Dieser Umstand trägt ebensoviel zur Authentizität der Filme bei wie die regelmäßigen kleinen Vorfälle am Rande: Als Sara eine Fahrstunde nimmt, weil sie als Neubürgerin einen israelischen Führerschein braucht, erklingt plötzlich eine Sirene. Sämtliche Fahrzeuge stoppen, die Fahrer steigen aus und verharren im Gedenken an die Opfer des Holocaust neben ihren Autos.

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