Land Hessen verleiht Titel "Konfirmationsstadt"

Ansicht der Festung bzw. der Stadt Ziegenhain im Jahr 1655 Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655.

Foto: Matthäus Merian/wikipedia

Ansicht der Festung bzw. der Stadt Ziegenhain im Jahr 1655 Topographia Hassiae von Matthäus Merian 1655.

Das Bundesland Hessen verleiht dem nordhessischen Schwalmstadt-Ziegenhain am Reformationstag die offizielle Bezeichnung "Konfirmationsstadt". In Ziegenhain wurde die Konfirmation 1539 erstmals in Deutschland eingeführt.

Die Urkunde werde vom hessischen Staatssekretär Mark Weinmeister (CDU) in einem Festgottesdienst am 31. Oktober in der Ziegenhainer Schlosskirche überreicht, teilte der Kirchenkreis Ziegenhain am Mittwoch mit. Die Konfirmation hat sich als eines der wichtigen evangelischen Feste im Lebenslauf etabliert.

Dass es zur Konfirmation kam, ist vor allem dem hessischen Landgrafen Philipp (1504-1567) zu verdanken. Er wollte zwischen der Bewegung der Täufer und den führenden Reformatoren im Streit um die Taufe vermitteln. Während die Bewegung der Täufer der Auffassung war, dass der Glaube der Taufe vorausgehen müsse, also faktisch nur Erwachsene getauft werden könnten, hielten die Reformatoren an der Säuglingstaufe fest. Mit Gewalt wollte Philipp den Streit keinesfalls lösen und beorderte neben Vertretern der Täufer den elsässischen Reformator Martin Bucer (1491-1551) zu Hilfe, der auch in Täuferkreisen Anerkennung genoss.

Der fast unlösbar erscheinende Streit endete in einem bis heute gültigen Kompromiss: Die Kindertaufe wurde beibehalten, die Heranwachsenden aber sollten zu einem Katechismusunterricht geschickt werden, der in einer symbolischen Handlung vor der Gemeinde gipfelte. Dadurch könnten sie nachträglich ein "Ja" zu ihrer Taufe sagen, so der Gedanke. Damit entsprach Bucer einerseits dem Anliegen der Täufer, konnte aber zugleich an der Säuglingstaufe festhalten.