Wann fragt die künstliche Intelligenz nach ihrem Schöpfer?

Evangelische Unternehmer zu Künstlicher Intelligenz
Künstliche Intelligenz

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Angesichts der ungebremsten Technologieentwicklung autonomer Systeme veranstaltete der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) ein Forum zur Frage, wann die erste Künstliche Intelligenz nach ihrem Schöpfer fragt. Jörg Kopecz hat den Einführungsvortrag gehalten. Er plädiert für KI mit Entscheidungsparametern, die kompatibel sind zu menschlichen Werten.

Warum beschäftigen sich evangelische Unternehmer mit künstlicher Intelligenz?

Jörg Kopecz: Künstliche Intelligenz ist eine konsequente Fortsetzung von Digitalisierung, die wir zurzeit erleben. Dies ist erstmal ein Thema, mit dem sich alle Unternehmer befassen. Der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer möchte die unternehmerisch-protestantische Perspektive in aktuelle Fragen der Gesellschaft einbringen – und tut dies seit vielen Jahren. Das bei einem Thema wie künstliche Intelligenz nicht zu tun, wäre fahrlässig. Künstliche Intelligenz ist eine der größten Herausforderungen, vor denen wir in den nächsten Jahren und Jahrzehnten stehen werden.
Die Diskussion zu Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung ist momentan von vielen Ängsten und Schwarzmalerei geprägt, die zum einen nachvollziehbar sind, zum anderen fehlen aber auch Informationen. Es ist nicht klar, wie Unternehmen damit umgehen wollen. Unser Abend soll einen Beitrag zu mehr Klarheit leisten.

Braucht künstliche Intelligenz eine Ethik?

Kopecz: Sobald Sie mit autonomen Systemen zu tun haben, die Entscheidungen treffen: Ja. Einheiten, die Entscheidungen treffen, sind automatisch Subjekt einer Ethik. Wir müssen uns überlegen: Welche Parameter, außer rein logischen oder mathematischen, sollen an deren Entscheidungen angelegt werden? Wollen wir als Gesellschaft akzeptieren, dass künstliche Intelligenzen Entscheidungen treffen? Autonomes Fahren ist ein Beispiel dafür. Wenn ja, muss dazu auch eine Ethik gehören, die akzeptiert wird. So dass auch die Entscheidungen akzeptiert werden. Ja, künstliche Intelligenz benötigt eine Ethik.

Was war das Ziel der Veranstaltung?

Kopecz: Der Abend wollte einen Beitrag im Sinne möglicher Szenarien leisten. Die Frage "Wann fragt die erste KI nach ihrem Schöpfer?" war bewusst provokant gestellt. Wie wollen wir damit umgehen, wenn wir ein Gegenüber haben, das sich seiner selbst bewusst ist? Und mit welchen Werten soll diese künstliche Intelligenz ausgestattet sein? Was bedeutet es für das Miteinander in unserer Gesellschaft, wenn wir mit KI hantieren, was wir zweifellos tun werden. Denn die Geschwindigkeit, mit der sich diese Technologie entwickelt, ist enorm.

"Ich glaube nicht, dass wir am grünen Tisch willkürlich Limits definieren können"

Wo liegt für Sie die Grenze, was künstliche Intelligenz können sollte? Kann sie eingehalten werden?

Kopecz: Ich glaube nicht, dass wir über eine Grenze reden können. Mittel- und langfristig werden wir uns damit auseinandersetzen müssen, dass wir ein künstliches Gegenüber bekommen, das in allen Bereichen unseres Lebens aktiv ist. Daher glaube ich nicht, dass wir am grünen Tisch willkürlich Limits definieren können, um dann zu erwarten, dass sie eingehalten werden. Es ist bereits jetzt so, dass die Digitalisierung alle Bereiche unseres Lebens durchdringt. Wir müssen diese Bereiche auch ethisch so gestalten, dass sie kompatibel sind zu uns Menschen und zu unseren Werten.