Erste homosexuelle Paare haben geheiratet

Rund drei Monate nach dem Bundestagsbeschluss zur "Ehe für alle" haben die ersten gleichgeschlechtlichen Paare geheiratet. In mehreren Städten öffneten Standesämter am Sonntag.

Erstmals in Deutschland haben am Sonntag homosexuelle Paare wie Mann und Frau geheiratet. Möglich wurden die Hochzeiten, weil zum 1. Oktober das Gesetz zur "Ehe für alle" bundesweit in Kraft trat. Obwohl der Monatsbeginn auf einen Sonntag fiel, öffneten einige Standesämter eigens für die ersten gleichgeschlechtlichen Trauungen, unter anderem in Berlin, Hamburg und Hannover. Offenbar wurde in Frechen bei Köln die erste Homosexuellen-Ehe in Deutschland geschlossen, knapp vor Berlin.

Unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit hatten sich am Morgen um 9.30 Uhr im Berliner Rathaus Schöneberg 
der 60-jährige Bodo Mende und sein 59-jähriger Partner Karl Kreile das Jawort gegeben, weil dort die bundesweite Premiere zu sein schien. Doch Berichten nordrhein-westfälischer Medien zufolge kamen ihnen Bernd Göttling (61) und Dieter Schmitz (66) in Frechen 15 Minuten zuvor. Die beiden hätten das erste schwule Hochzeitspaar in Deutschland sein wollen, berichtete der Radiosender WDR1. Deshalb sei ihr Termin von 10 Uhr kurzerhand auf 9.15 Uhr vorverlegt worden, nachdem bekannt geworden war, dass in Berlin bereits für 9.30 Uhr eine Eheschließung geplant ist.



Der Bundestag hatte Ende Juni mit großer Mehrheit die "Ehe für alle" beschlossen. Damit wurden homosexuelle Partnerschaften der Ehe zwischen Mann und Frau gleichstellt, einschließlich der Adoption von Kindern.

Nach Angaben des Berliner Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD) gaben sich am Sonntag in der Hauptstadt elf gleichgeschlechtliche Paare das Jawort. Im Hamburger Rathaus wurden acht lesbische und sieben schwule Paare getraut. Insgesamt 50 gleichgeschlechtliche Paare hatten sich dort beworben, um bereits am ersten Geltungstag der "Ehe für alle" zu heiraten. Es wurde gelost, wer schon am Sonntag heiraten durfte.

Als erste homosexuelle Paare in Niedersachsen gingen Claudia und Dorle Göttler sowie Reinhard Lüschow und Heinz-Friedrich Harre in Hannover zur Eheschließung zum Standesamt. Beide Paare hatten am 1. August 2001 bereits die bundesweit ersten eingetragenen Lebensgemeinschaften für gleichgeschlechtliche Paare begründet.

Der Grünen-Politiker Volker Beck, der sich vehement für die "Ehe für alle" eingesetzt hatte, verkündete am Mittag auf Twitter, dass auch er noch am Sonntag in Berlin mit seinem Partner zum Standesamt gegangen war, um seine eingetragene Partnerschaft in eine Ehe umzuwandeln. "#JustMarried", schrieb Beck in seinem Tweet.

Die beiden Kirchen gehen derzeit sehr unterschiedlich mit gleichgeschlechtlichen Paaren um. In der evangelischen Kirche sind Segnungen von homosexuellen Partnerschaften bereits seit längerem üblich. In einigen der 20 evangelischen Landeskirchen in Deutschland wurden Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare der Trauung von Mann und Frau bereits gleichgestellt.

Die katholische Kirche indes beharrt auf einer deutlichen Unterscheidung. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, würde es zudem begrüßen, wenn die "Ehe für alle" beim Bundesverfassungsgericht auf den Prüfstand kommt. Die bayerische Staatsregierung erwägt, in Karlsruhe gegen das Gesetz zu klagen.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sprach sich am Wochenende für eine Segnung auch von homosexuellen Paaren aus. "Wir wollen einen Segen für sich liebende Menschen", sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg der "Passauer Neuen Presse" (Samstag). Derzeit gebe es in der katholischen Kirche in Deutschland dafür keine Leitlinien. Ein "Signal der kirchlichen Wertschätzung für gleichgeschlechtliche Paare" sei notwendig.

Eine solche Segnung dürfe aber nicht mit einer Eheschließung zwischen Mann und Frau verwechselt werden, sagte der Präsident der katholischen Laienorganisation: "Nach katholischem Verständnis ist die Eheschließung ein Sakrament und findet vor dem Priester in der Kirche statt, nicht auf dem Standesamt."