Waffenruhe soll Kriegshandlungen in Kolumbien beenden

Seit Beginn des Sonntags gilt in Kolumbien eine Waffenruhe zwischen der Armee und der letzten noch aktiven Guerillagruppe ELN.

Anfang September hatten sich Regierung und linke Rebellen erstmals darauf geeinigt, die Waffen für gut 100 Tage schweigen zu lassen. Nach dem Friedensschluss mit der größeren Farc-Guerilla Ende vergangenen Jahres sind damit nach mehr als 50 Jahren Krieg in Kolumbien erstmals formell alle Feindseligkeiten zwischen bewaffneten Gruppen ausgesetzt.



Die Waffen sollen vorerst bis zum 9. Januar nächsten Jahres schweigen. Präsident Juan Manuel Santos deutete jedoch schon die Hoffnung an, dass bald eine Verlängerung der Waffenruhe ausgehandelt werden könne. Seit Anfang Februar verhandeln Regierung und ELN in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito über einen Friedensvertrag.

Deutschland gratulierte zusammen mit Italien, den Niederlanden, Schweden und der Schweiz zu der Einigung auf die Waffenruhe. Die Staaten bilden eine Fünf-Länder-Gruppe, die die Verhandlungen in Quito begleitet. "Wir erwarten, dass der Waffenstillstand insbesondere die humanitäre Situation der Zivilbevölkerung verbessern wird", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes am Sonntag in Berlin. 

Juan Camilo Restrepo, der Chefunterhändler der kolumbianischen Regierung, kündigte am Wochenende an, dass beide Seiten während der Waffenruhe über eine Freilassung von Entführten in Händen der ELN-Guerilleros verhandeln würden. Mindestens 14 Menschen werden in Händen der ELN vermutet, wie der Hörfunksender RCN berichtete. "Diese Waffenruhe ist der eigentliche Beginn des Friedensprozesses mit der ELN, durch den der gemeinsame Dialog besser vorangebracht werden kann", erklärte Restrepo.

Bereits vor drei Jahren hatten Vorgespräche zwischen Regierung und ELN begonnen. Im Gegensatz zur Farc, die ihre Basis in verarmten ländlichen Regionen hat und zuletzt rund 10.000 Kämpfer zählte, orientiert sich die ELN eher an der kubanischen Revolution, dem Marxismus und der Befreiungstheologie. Die Zahl ihrer Kämpfer schätzt die Regierung heute auf 1.500.

Der Konflikt zwischen der Regierung, mehreren Rebellengruppen und paramilitärischen Todesschwadronen hatte sich in den 60er Jahren an Landkonflikten und sozialer Ungerechtigkeit entzündet. Seither wurden etwa 340.000 Menschen getötet, mindestens sieben Millionen Kolumbianer wurden vertrieben.