Erste homosexuelle Paare heiraten am Sonntag

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Foto: Stefan Ahrend

Schwul-lesbisches Feierabendmahl im Zentrum Regenbogen in der Pfingstkirche in Berlin Friedrichshain

Ab dem 1. Oktober können homosexuelle Paare in Deutschland heiraten wie Mann und Frau - und mehrere deutsche Städte ermöglichen das bereits am ersten Tag des Inkrafttretens. In Berlin und Hamburg öffnen am Sonntag außer der Reihe die Standesämter, um Paare zu trauen.

Und auch in Hannover, wo 2001 die ersten gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften geschlossen wurden, wird am Sonntag geheiratet. Das Ja-Wort geben sich dort ein schwules und ein lesbisches Pärchen, die auch 2001 zu den ersten gehörten. Der Bundestag hatte in einer letzten Sitzungswoche vor der Sommerpause Ende Juni beschlossen, dass homosexuelle Paare auch eine Ehe eingehen können. Bislang konnten sie eine Lebenspartnerschaft schließen, die der Ehe weitgehend gleichgestellt war. Was fehlte, war vor allem das Recht, gemeinsam Kinder zu adoptieren.

Die Bundestagsentscheidung zur "Ehe für alle", die in der Union umstritten war, kam in diesem Jahr überraschend. Über die gesamte Wahlperiode blockierte die große Koalition Anträge von Grünen und Linken zur Gleichstellung homosexueller Paare. Nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dann Ende Juni andeutete, sie könne sich in der Frage eine Gewissensentscheidung der Abgeordneten vorstellen, setzte die SPD gemeinsam mit der Opposition noch kurzfristig die Abstimmung auf die Tagesordnung. Den Bundesrat passierte das Gesetz bereits eine Woche später.

Im Jahr 2015 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts 43.000 eingetragene Lebenspartnerschaften. Der Anteil homosexueller Männer und Frauen wird auf fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung geschätzt.