Ex-Thomaskirchenpfarrer greift sächsischen Landesbischof an

 Christian Wolff fordert klare Worte gegen die AfD.

Foto: epd-bild / Matthias Knoch

Christian Wolff fordert klare Worte gegen die AfD und "unerschrocken und offensiv für die Grundwerte des christlichen Glaubens und für die freiheitliche Demokratie einzutreten".

Der ehemalige Leipziger Thomaskirchen-Pfarrer Christian Wolff hat Sachsens evangelischen Landesbischof Carsten Rentzing wegen dessen Reaktion auf das Abschneiden der AfD bei der Bundestagswahl scharf kritisiert.

"Ich bin entsetzt", schrieb Wolff in einem am Mittwoch in Leipzig veröffentlichten Brief an Rentzing. Es sei "völlig inakzeptabel", dass Rentzing die AfD in seiner Stellungnahme "als eine ganz normale Partei" behandle. Er schäme sich "für dieses Votum" und wolle sich davon als ordinierter Pfarrer der Landeskirche "in aller Form distanzieren".

Die AfD hatte bei der Wahl am Sonntag mit 27 Prozent sachsenweit die meisten Stimmen erhalten. Rentzing rief daraufhin alle Abgeordneten des Bundestags zur Dialogbereitschaft auf und warb für einen "angstfreien und vernünftigen Umgang aller Bundestagsparteien miteinander". Weder "die Stigmatisierung politisch konträrer Auffassungen", noch die "Fortsetzung ständiger verbaler Grenzüberschreitungen" seien jetzt der richtige Weg für die Gesellschaft, sagte der Bischof.

In seinem Brief fragte Pfarrer Wolff den Bischof, ob das alles sei, was er zu der "Katastrophe" zu sagen habe, dass "eine offen rassistische, rechtsradikale Partei wie die AfD" in den Bundestag eingezogen sei. Damit falle Rentzing allen Christen in den Rücken, die sich zuletzt der AfD und fremdenfeindlichen Gruppen wie "Pegida" und "Legida" in den Weg gestellt hätten.

Stattdessen wäre es nach Ansicht Wolffs "ein Zeichen für das prophetische Wächteramt der Kirche" gewesen, Kirchenvertreter nach der Wahl zu ermutigen, "unterschrocken und offensiv für die Grundwerte des christlichen Glaubens und für die freiheitliche Demokratie einzutreten". Rentzing sei offenbar "jede historische Sensibilität abhandengekommen", betonte Wolff. In Deutschland erlebe derzeit eine "schleichende Zerstörung der Demokratie" durch völkischen Nationalismus wie zu Beginn der 1920er Jahre.