Hakenkreuz-Glocke in saarländischer Kirche wird entfernt

Christian Weyer

Foto: epd-bild/Andreas Schölzel

Pfarrer Christian Weyer, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Saar-West, in der Ludwigskirche Saarbrücken spricht sich deutlich gegen die Glocke mit Hakenkreuzen aus der Kirche in Rilchingen-Hanweiler aus.

Das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Obere Saar lässt eine Glocke mit Hakenkreuzen aus der Kirche in Rilchingen-Hanweiler entfernen. "Eine Glocke, die Hakenkreuze trägt, sollte nicht länger zum Gottesdienst rufen und die Zeit ansagen", sagte der Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Saar-West, Christian Weyer, am Mittwoch in Saarbrücken. In einer Zeit, in der der Nationalsozialismus immer wieder verharmlost werde, sei das Abhängen der Glocke ein deutliches Zeichen.

Die Kirchengemeinde deckt den Angaben zufolge die Hakenkreuze ab, bis die Glocke aus dem Turm entfernt werden kann. Ab sofort werde sie nicht mehr zu Gottesdiensten oder anderen liturgischen Anlässen läuten, hieß es. Sie solle aber als zeitgeschichtliches Dokument erhalten bleiben. Deswegen überlege das Presbyterium, die Glocke dem regionalgeschichtlichen Museum in Saarbrücken zu überlassen.

Die Glocke aus dem Jahr 1933 hat den Angaben zufolge einen Durchmesser von 65 Zentimetern und trägt vier Hakenkreuze. Die Glocke sei mit dem Bau der Erlöserkirche in Rilchingen-Hanweiler angeschafft worden, als das Saarland noch unter Völkerbundmandat stand. Deswegen nehme die Aufschrift "Gott war in Gnaden, daß bald tue kund die Rückkehr zu Deutschland dein eherner Mund 1933" auch Bezug auf die Abstimmung zur Zugehörigkeit des Saarlands, hieß es.