Menschenrechtspreis für syrischen Militärfotografen

Der syrische Militärfotograf mit dem Decknamen "Caesar" und seine Unterstützer haben den Nürnberger Menschenrechtspreis erhalten. An der Feierstunde am Sonntag im Nürnberger Opernhaus nahm "Caesar" aus Furcht vor Verfolgung durch das syrische Regime nicht teil.

Laudatoren und Grußredner betonten die Bedeutung der etwa 28.000 Fotos, mit der "Caesar" die Folter des Assad-Regimes an mehreren Tausend Menschen dokumentiert. Diese Bilder seien das unwiderlegbare Beweismittel für die Verbrechen des Regimes, sagte der Direktor der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth.

Der ehemalige Chefankläger am Internationalen Strafgerichtshof für Ruanda und Sierra Leone, Stephan Rapp, forderte Strafverfahren gegen syrische Verantwortliche vor nationalen Gerichten, weil der Weg zum Internationalen Strafgerichtshof durch die Veto-Stimmen Russlands und Chinas blockiert sei. Das Assad-Regime dürfe für seine schrecklichen Verbrechen nicht straflos davon kommen, betonte Rapp. Es stehe im Kampf um die Menschenrechte viel auf dem Spiel, wenn Syrien die Regeln der Nürnberger Prinzipien ohne Folgen ignorieren könne.



Die Bilder von "Caesar" zeigen verhungerte Menschen mit gebrochenen Knochen oder ausgestochenen Augen, die in syrischen Gefängnissen gefoltert wurden. Anblicke, die dem Publikum bei der Preisverleihung fünf Minuten lang gezeigt wurden.

Die französische Journalistin Garance le Caisne, die "Caesars" Bilder in die Öffentlichkeit gebracht hatte, nahm den Preis stellvertretend entgegen. In ihrer Dankesrede erinnerte sie an die Revolution in Syrien, die im März 2011 begann. Das Wissen um die Gräueltaten des Assad-Regimes dürfe hinter den geopolitischen Interessen in der Region nicht verschwinden, sagte sie. Die Weltöffentlichkeit höre derzeit nur dann sofort hin, wenn von den Gewalttaten von Islamisten die Rede sei.

Der Menschenrechtspreis der Stadt Nürnberg wird seit 1995 alle zwei Jahre verliehen. Die mit 15.000 Euro dotierte Auszeichnung wird an Einzelpersonen oder Gruppen verliehen, die sich vorbildlich und unter hohem persönlichem Risiko für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen.