Vernachlässigte Religionspolitik

Minarett der Sultan-Selim-Moschee und der Kirchturm der nahe gelegenen katholischen Liebfrauenkirche im Mannheimer Stadtteil Jungbusch

Foto: © epd-bild / Norbert Neetz

Minarett der Sultan-Selim-Moschee und der Kirchturm der nahe gelegenen katholischen Liebfrauenkirche im Mannheimer Stadtteil Jungbusch

Das sogenannte Religionsverfassungsrecht habe derzeit eine christlich-großkirchliche Schlagseite, sagt Politikwissenschaftlers Ulrich Willems. Sein Zeugnis für die Religionspolitik der vergangenen Jahrzehnte.

Die Parteien in Deutschland haben die Religionspolitik nach Ansicht des Münsteraner Politikwissenschaftlers Ulrich Willems in den vergangenen Jahren vernachlässigt. "Man darf nicht vergessen, dass sich in den letzten 20, 25 Jahren die religiöse Landschaft in Deutschland dramatisch verändert hat", sagte Willems am Freitag im Deutschlandfunk. "Das generiert jetzt aber eine Reihe von Problemen, die dringend gelöst werden müssten." In vielen anderen Ländern sei es zu großen Debatten gekommen, "in der Bundesrepublik hinkt man da etwas hinterher."

Der Umgang mit Religion werde nach wie vor eine der wichtigen Fragen sein, betonte der Wissenschaftler. "Der Diskurs wird nicht mehr allein über Religion gehen, sondern vielleicht stärker darüber, wie man mit kulturellen Differenzen umgeht." Die Bürger benötigten Grundkompetenzen, um zu verstehen, um was es sich bei Religion handele.

Um Islamverbände staatlich anzuerkennen, ist nach Ansicht des Experten keine Grundgesetzänderung notwendig. Die Politik müsse durch konkrete Gesetze das sogenannte Religionsverfassungsrecht weiterentwickeln, forderte er. Denn das habe derzeit eine christlich-großkirchliche Schlagseite. Betroffen seien davon die Konfessionslosen und religiöse Minderheiten, vor allem die Muslime. "Was wir nun dringend tun müssen, ist, die Hindernisse für die Integration von mehr Vielfalt zu beseitigen", unterstrich Willems.