EKD-Beauftragter findet, dass religionskritische Kunst bereichernd sein kann

Der Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Johann Hinrich Claussen, betrachtet religionskritische Kunst im öffentlichen Raum als einen guten Anstoß für Diskussionen.

"Oft stellt sich heraus, dass solche Werke große Bereicherungen sind", sagte Claussen am Dienstag in einem epd-Gespräch zum Karlsruher "Genesis-Projekt". Evangelische Christen hätten gelernt, gelassen mit vermeintlichen Blasphemien umzugehen. Es sei besser, neugierig zu sein, statt sich zu früh aufzuregen.

In Karlsruhe wird derzeit darüber diskutiert, dass der Künstler Markus Lüpertz die neue U-Bahn mit Reliefs der Schöpfungsgeschichte verzieren will. Kritiker sehen dies als einen Eingriff in den öffentlichen Raum. Bislang ist allerdings unklar, wie die Reliefs aussehen sollen, und ob das Werk nicht sogar antichristlich ausfallen wird.

Vorwürfe, dass die Kirche versuche, öffentlichen Raum in Beschlag zu nehmen, wies Claussen zurück. "Lüpertz ist ein Künstler, der aus seiner eigenen Freiheit heraus ein Werk ausstellt, das einen religiösen Bezug hat", betonte Claussen. Er verstehe, dass dies auf manche provokativ wirke, es sei aber sicherlich kein Anlass für einen Kulturkampf zwischen Kirche und Gesellschaft. Er persönlich sei sehr gespannt, wie Lüpertz die Genesis umsetzen werde.

Er verwies darauf, dass in Deutschland Religion im öffentlichen Raum sichtbar sein darf. Wenn sich Religion öffentlich zeige und Verantwortung übernehme, könne sie ein wichtiger Kulturfaktor sein. Das beinhalte natürlich, dass auch andere Glaubensrichtungen, etwa orthodoxe Kirchen oder der Islam, sich darstellen könnten, sagte Claussen. Damit verbunden sei die Pflicht, sich in den rechtlichen und zivilen Rahmen einzufügen.