Menschenrechtler beklagen Schließung koptischer Kirchen in Ägypten

Gottesdienst in der Hängenden Kirche

Foto: epd-bild/Agata Skowronek

Ein Gottesdienst in der Hängende Kirche (auch koptische Kirche genannt) im koptischen Viertel von Kairo im Jahr 2010.

Die Behörden in Ägypten schränken nach Angaben von Menschenrechtlern massiv die Religionsfreiheit koptischer Christen ein.

Mindestens 58 christliche Kirchen seien auf staatliche Anordnung in den vergangenen Monaten angeblich aus Sicherheitsgründen geschlossen worden, berichtete die Gesellschaft für bedrohte Völker am Dienstag in Göttingen.

Vor allem in dem von Kopten bewohnten Oberägypten habe die Polizei in vielen Dörfern Kirchen geschlossen. Wegen Protesten von Muslimen aus der Nachbarschaft könnten die Gebäude von Sicherheitskräften angeblich nicht wirksam vor Terrorangriffen geschützt werden. "Die offizielle Begründung ist absurd und ein Armutszeugnis für Ägyptens Polizei und Armee", sagte der Direktor der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius. "Es kann nicht angehen, dass wegen Einschüchterungen und Pöbeleien von muslimischen Extremisten vielen Kopten die Ausübung ihres Glaubens verweigert wird."

Seit 2012 mussten in Ägypten den Angaben zufolge 267 Kirchen schließen. Nur neun von ihnen seien seither wiedereröffnet worden. Für die Kopten bedeuteten diese Schließungen einen tiefen Einschnitt, weil es in ihren Siedlungen meist keine Alternativen für den Besuch von Messen gebe, sagte Delius. Die koptischen Christen stellen rund zehn Prozent der Bevölkerung Ägyptens.