Bischof: Kirchenkunst soll zu sozialem Handeln inspirieren

Unionskirche in Idstein

Foto: epd-bild/Andrea Enderlein

Das Motto des "Tag des offenen Denkmals" ist in diesem Jahr "Macht und Pracht".

Die Schönheit historischer Kirchenkunst sollen nach Ansicht des württembergischen evangelischen Landesbischofs Frank Otfried July Menschen dazu beflügeln, die Welt schöner und gerechter zu machen. Wenn dies geschieht, hätten die Kirchenräume "gut gepredigt", sagte er am Samstag in Schwäbisch Hall zur Eröffnung des "Tag des offenen Denkmals" in Baden-Württemberg. Kirchenräume könnten mit ihrer besonderen Ästhetik in himmlische Sphären entführen, aber mahnten auch "einen guten Gebrauch unserer Mittel zum Wohle aller" an, sagte der Landesbischof in seinem Festvortrag, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorab zur Verfügung gestellt wurde.  

Zum reformatorischen Verständnis von "Macht und Pracht" - dem Motto des Denkmaltags 2017 - sagte July, die Macht der Kirche über die Menschen sei für den Reformator Martin Luther "von Anfang an zutiefst problematisch" gewesen. Er habe Ablasshandel als "Lösegeld für die Angst der Menschen" verabscheut. 



Das Ideal der protestantischen Schlichtheit habe sich in der evangelischen Kirche nicht immer durchhalten lassen, räumte der Theologe ein. Das sei zu sehen an Zeugnissen protestantischer Memorialkultur wie Epitaphen von Familien in Schwäbisch Hall, "die in der Prachtentfaltung den katholischen Barockkirchen ihrer Zeit in nichts nachstanden". 

Am Denkmaltag (10. September), finden bundesweit rund 7.500 Veranstaltungen, Stadtrundgänge und Führungen durch Schlösser, Burgen und Kirchen statt. Mit dem Tag des offenen Denkmals, der seit 1993 jährlich am zweiten Sonntag im September stattfindet, beteiligt sich Deutschland an den European Heritage Days des Europarats.