"Respekt!"

Fragen rund um den "Respekt" werden in der Sendung "Philosophie" auf ARTE mit den Gästen Danielle Moyse und Brice Girardot diskutiert.

Foto: A Prime Group/ARTE France

Fragen rund um den "Respekt" werden in der Sendung "Philosophie" auf ARTE mit den Gästen Danielle Moyse und Brice Girardot diskutiert.

Was flößt "Respekt" ein? Was bedeutet es, wenn man zu jemandem "Respekt!" sagt? Beruht Respekt immer auf Gegenseitigkeit? Diese Fragen besprechen unter anderen Danielle Moyse und Brice Girardot in der ARTE-Sendung "Philosophie".

9.9., Arte, 23.25 Uhr: "Philosophie"

Was flößt "Respekt" ein? Was bedeutet es, wenn man zu jemandem "Respekt!" sagt? Beruht Respekt immer auf Gegenseitigkeit? Respektiert man Vorschriften auf dieselbe Weise, wie man einen Menschen respektiert? Ist Respekt ein Recht oder eine Errungenschaft? Dürfen bestimmte Menschen aufgrund ihres Alters oder ihrer sozialen Stellung behaupten, dass man ihnen "Respekt schuldet"? Oder muss man sich den Respekt der anderen immer verdienen? Diese und weitere Fragen werden mit den Gästen Danielle Moyse und Brice Girardot diskutiert. Moyse ist Doktorin der Philosophie und ist als Wissenschaftlerin am Pariser interdisziplinären Institut für sozialwissenschaftliche Forschung (ISIS) als Dozentin tätig. In zahlreichen Veröffentlichungen beschäftigt sie sich mit ethischen Fragen im Zusammenhang mit der Pränataldiagnostik und der Betreuung von Menschen mit Behinderung. Sie ist Mitglied der Ethikgruppe der Vereinigung gelähmter Menschen in Frankreich (APF). Brice Cirardot ist Französischlehrer im Pariser Raum.

10.9., ARD, 17.30 Uhr: "Gott und die Welt: Bleiben oder gehen?"

Als Jens Petzold zur Welt kam, war nicht abzusehen, dass er einmal ein katholisches Kloster im Nordirak leiten würde. Er kommt aus einer atheistischen sozialdemokratischen Familie aus Berlin Neukölln. Trotzdem haben ihn Glaubensfragen von Kind an interessiert. Seine spirituelle Sinnsuche und seine Faszination für fernöstliche Spiritualität führten ihn schließlich in ein entlegenes Kloster nach Syrien. Im Kloster Mar Musa al Habaschi um den charismatischen Pater Paolo Dall'Oglio empfing er in der Osternacht 1996 die Taufe. Von dort aus ging er als Mönch in den Irak. Eigentlich wollte er dort nur ein verlassenes Kloster wieder beleben. Doch mit dem Krieg und der Vertreibung der Christen aus der nahen Ninive-Ebene kam alles anders: Im Kloster der Jungfrau Maria von Sulaymaniyya standen plötzlich 200 Menschen vor der Tür. Pater Petzold und seine kleine Gemeinschaft packten an. Seit 2014 leben etwa 60 Familien beim Kloster, zunächst provisorisch in der Kirche, inzwischen in Containern. Der Krieg ist nahezu vorbei. und es stellt sich allen die Frage: Bleiben oder gehen? Hat das Christentum im Irak noch eine Zukunft? Susanne Brahms stellt die Menschen vor, die im Kloster der Jungfrau Maria leben, die Mönche und Nonnen, die freiwilligen Helfer aus Deutschland und Italien, die Flüchtlinge. Sie begleitet vertriebene Christen in die Geisterstadt Qaraqosh und zeigt ihren Besuch ihrer ehemaligen Häuser. "Bleiben oder gehen?" zeigt die Mönche, die in Gefangenschaft des sogenannten Islamischen Staates mit dem Leben bereits abgeschlossen hatten, und folgt Pater Petzold, der vom Leiter einer winzigen Gemeinschaft von Mönchen und Nonnen plötzlich zum Vorsteher einer kleinen Stadt wurde.

11.9., 3sat, 22.25 Uhr: "Raving Iran"

Anooshs und Arashs Leidenschaft ist Deep House. Sie sind die Helden von Teherans Underground-Techno-Szene. Die Musik erlaubt ihnen, ihrer Frustration über das repressive System Ausdruck zu verleihen und ist ein persönlicher Akt der Rebellion in einem Land, in dem bereits der Konsum westlicher Musik zu Gefängnis und hohen Strafen führen kann. Die beiden Musiker organisieren ihre illegalen Raves in Teheran unter strengster Geheimhaltung. Denn bereits der kleinste Fehltritt könnte sich als fatal erweisen. Wie kann man in einem Land überleben und seine Individualität behalten, in dem alles rigoros kontrolliert wird? Müde und desillusioniert von dem ewigen Versteckspiel mit der Polizei und einer stagnierenden Karriere, organisieren sie unter gefährlichen Umständen einen letzten ekstatischen Rave in der Wüste. Dann erreicht sie ein Anruf von der Street Parade in Zürich. Sie sind eingeladen, dort aufzulegen. Nach langem Bangen erhalten die beiden ein Fünf-Tage-Visum. In der Schweiz angekommen, katapultieren sie Radio- und Zeitungsinterviews, Millionen von Ravern und DJ-Kollegen in eine andere Sphäre. Die anfängliche Euphorie verfliegt jedoch schnell, denn die näher rückende Abreise stellt sie vor eine große Entscheidung.
Das Kinodebüt von Regisseurin Susanne Regina Meures vermittelt einzigartige Einblicke in die Subkultur von Teheran. Der Film entstand unter großen persönlichen Risiken und wurde zu großen Teilen mit versteckter Handy-Kamera gedreht. Er zeigt die Perspektivlosigkeit einer Generation, die sich nach einem freien Leben sehnt.

11.9., 3sat, 23.50 Uhr: "37 Grad: Gestohlenes Vertrauen"

Sicherheit ist ein wichtiges Thema geworden in Deutschland. Auch wenn seit ungefähr einem halben Jahr die Einbruchszahlen wieder etwas zurückgehen, bleibt die Verunsicherung bestehen.
Die Opfer leiden oft noch Jahre später, zumal die Aufklärungsrate laut Polizeilicher Kriminalstatistik bei Einbrüchen 2016 bundesweit bei nur rund 16,9 Prozent lag. Werden sich die Opfer je wieder sicher fühlen in den eigenen vier Wänden? Was ist, wenn die Einbrecher wiederkommen? Wie soll man mit der Angst umgehen? Fragen, die die Opfer bis in den Schlaf verfolgen. So hat es auch die alleinerziehende Innenarchitektin Christina erlebt. Als sie mit ihrem kleinen Sohn eines Nachmittags nach Hause kommt, ist die Wohnung verwüstet. Sämtliche Schränke und Schubladen sind ausgeräumt. Computer, Geld, Kamera: alles weg. Christina versucht, sich zusammenzureißen, aber dieser Nachmittag traumatisiert sie und ihren Sohn. Seither fragt der Junge immer, ob sie mitkommt, wenn er in sein Zimmer gehen will. Sie soll ohne ihn nicht mal mehr kurz zum Auto gehen oder einkaufen, weil der Kleine nicht allein bleiben kann. Christina sucht eine Therapeutin auf, weil sie nicht mehr klarkommt. Erst nachdem sie sich ihre Angst eingestehen kann, lernt Christina, mit dem Verlust ihres Sicherheitsgefühls, mit dem Ende ihrer "heilen Welt", umzugehen. Und mit den Ängsten ihres Sohnes. Zweites Beispiel dieser Reportage ist Familie Müller aus einer Kleinstadt, in der besonders oft eingebrochen wird. Vater Marco leitet einen Pflegedienst, Mutter Manuela ist Krankenpflegerin. Auch bei ihnen wurde eingebrochen, und seither hält es Marco kaum aus, seine Frau allein im Haus zu wissen, wenn er unterwegs ist. Die Müllers wollen sobald wie möglich in ein eigenes Haus ziehen. Aber eine allzu aufwendige Sicherheitstechnik können sie sich nicht leisten. Was also tun, um sich wieder sicher zu fühlen? Auch in ländlichen Regionen ist die Welt alles andere als in Ordnung. Als der Landwirt Jens und seine Frau Katrin an einem frühen Winterabend nach Hause kommen, steht die Terrassentür auf. Sämtliche Wertsachen sind gestohlen worden. Für das Ehepaar bedeutet das eine existenzielle Verunsicherung, die die Familie vorher nicht kannte. Das Dorf hat nur eine Handvoll Bewohner. In der Umgebung sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr Polizeistationen abgebaut worden. Und das, obwohl sich die Kriminalität in einigen Regionen Deutschlands aufs Land verlagert hat. Der Film dokumentiert, wie die Angst nach einem Einbruch das Leben verändert und wie sie bewältigt werden kann.

12.9., ARD, 22.45 Uhr: "Das Duell - Merkel gegen Schulz"

Wahlkampf ist ein Höllenritt; diese Erfahrung macht jeder Kanzlerkandidat. Als Angela Merkel vor Monaten ihre Kandidatur bekannt gab, ahnte sie, dass es in diesem Jahr nicht anders werden würde: "Diese Wahl wird schwierig wie keine zuvor seit der deutschen Einheit." Auch Martin Schulz wählte bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur drastische Worte: "Es geht ein tiefer Riss durch die Gesellschaft, nicht nur in unserem Land". Euro- und Flüchtlingskrise, Terror, Rechtspopulismus: Wie begegnen die beiden Kandidaten den neuen Herausforderungen? Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzen sie mit ihren Kampagnen, welcher Medienstrategie folgen sie? Mit Merkel und Schulz treten zwei höchst unterschiedliche Politikertypen gegeneinander an: auf der einen Seite die kühle, erfahrene Amtsinhaberin, auf der anderen Seite der leidenschaftliche, wortgewandte Herausforderer. Auch die Ausgangspositionen der Kandidaten sind sehr verschieden: Während die Bundeskanzlerin die internationale Politik als Bühne für sich nutzt, kann sich der langjährige Präsident des EU-Parlaments nach seinem Wechsel nach Berlin ganz auf seinen Wahlkampf konzentrieren. Und auch die Herkunft der beiden Kandidaten könnte kaum unterschiedlicher sein: Auf der einen Seite die ostdeutsche Pfarrerstochter mit Physikstudium, auf der anderen Seite der westdeutsche Schulabbrecher mit Ausbildung zum Buchhändler. Als Politiker sind sich beide in Berlin und Brüssel immer wieder begegnet, durchaus mit Sympathie. Doch seit sie sich als Kanzlerkandidaten gegenüber stehen, hat sich ihr Verhältnis naturgemäß geändert. Beide lauern auf Fehler des anderen. 
Stephan Lamby hat die beiden Kanzlerkandidaten seit Anfang des Jahres beobachtet. Er ist mit beiden Kandidaten zu Wahlkampfauftritten durchs Land gereist und hat Interviews mit ihnen geführt. Darüber hinaus sprach er mit Horst Seehofer, Sigmar Gabriel, Andrea Nahles und Wolfgang Schäuble.

12.9., ZDF, 22.15 Uhr: "37 Grad: Zu schnell in den Tod"

Illegale Straßenrennen nehmen zu, die Opferzahlen steigen. Jule Sommer und Udo Kilimann sind für ihre Reportage in die Tuningszene eingetaucht. Sie haben Polizisten bei nächtlichen Kontrollen begleitet, zeigen die schweren Folgen der Raserei und fragen: Was macht den Reiz aus, einen Golf II mit 500 PS aufzumotzen? Warum setzen Tuner ihr Leben und das anderer aufs Spiel? Allein in den vergangenen zwei Jahren sind über 8.000 Menschen auf Deutschlands Straßen ums Leben gekommen. Die Zahl der Opfer von illegalen Straßenrennen nehmen zu.
Die Kölner Polizei hat deswegen die Sonderermittlungsgruppe "Rennen" ins Leben gerufen. Ihr Leiter ist Rainer Fuchs. Der 55-Jährige hat sogar Verständnis für Menschen, die ihr Auto zu einem Unikat machen möchten, die basteln und schrauben und viel Geld dafür ausgeben, nicht jedoch für Raserei auf offener Straße. Fuchs und sein Kollege Ricky Lüders beginnen ihre Arbeit, wenn es dunkel wird. Das Ergebnis einer Nacht: ein illegales Straßenrennen gestoppt, sechs Autos stillgelegt, drei Raser erwischt, die mit über 90 Stundenkilometern durch die Innenstadt jagten. Dass die beiden Kommissare nicht noch mehr einkassieren, liegt schlicht am Papierkram, der bei jeder Abschleppaktion erledigt werden muss. Fuchs hat ein klares Motiv für seinen Kampf gegen illegale Autorennen: Seine Schwester ist durch einen Raser gestorben. Der  Film zeigt auch die andere Seite, drei Raser aus der Hagener Tuningszene. Spontane Straßenrennen, behaupten sie, seien für sie tabu. Aber an der Ampel, so geben sie zu, zucke schon mal der Gasfuß; da schalte sich das Gehirn ab, und der große Zeh übernehme das Kommando. In Hagen läuft derzeit ein Gerichtsverfahren gegen zwei Raser, die sich im Mai 2016 ein illegales Rennen geliefert haben, mit bösen Folgen: fünf Schwerverletzte, darunter ein sechsjähriger Junge, der wochenlang im Koma lag.

12.9., Arte, 20.15 Uhr: "Terrorjagd im Netz"

Alle großen Terroranschläge seit dem 11. September 2001 geschahen trotz Massenüberwachung. Die Datenflut machte es den Analysten im Gegenteil oft unmöglich, die Täter rechtzeitig zu finden. Dass Anschläge verhindert werden konnten lag nicht an der Massenüberwachung, sondern in den meisten Fällen an Hinweisen aus der Bevölkerung, traditioneller Polizeiarbeit, gezielter Überwachung und manchmal auch purem Glück. Regisseur Friedrich Moser fragt in seinem Film, warum die Regierungen trotzdem immer noch die Massenüberwachung ausweiten: wie etwa im deutschen Gesetz zur BND-Reform, dem britischen Investigatory Powers Act und dem österreichischen Polizeilichen Staatsschutzgesetz. Und warum wird ein Bericht des Pentagons über eine erfolgreiche Alternative zur Massenüberwachung noch immer unter Verschluss gehalten? Wem nützt Massenüberwachung eigentlich? Und wer verdient daran? In Wien arbeitet nun ein Team um einen Terrorabwehrspezialisten an einer Überwachungslösung, die Sicherheit garantieren soll, ohne das Grundrecht auf Privatsphäre aufzuheben. Und dieses Programm ähnelt verblüffend jener Alternative zur Massenüberwachung, die vom Pentagon unter Verschluss gehalten wird. Die investigative Dokumentation nimmt die Zuschauer mit in die Welt der Terroranalyse und Terrorbekämpfung von Wien über Berlin, London, Paris und Brüssel bis nach Washington D.C., zu Sicherheitsexperten, Big-Data-Analysten und Whistleblowern. Eine brisante Dokumentation aus hochaktuellem Anlass. Im Anschluss (21.45 Uhr) spricht Moderatorin Andrea Fies mit Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen), stellvertretender Vorsitzender des Innen- und Justizausschusses im Europa-Parlament, über die Macht der Algorithmen.

12.9., Arte, 21.55 Uhr: "Die Weltherrschaft"

Seit den Anschlägen im September 2001 erleben Verschwörungstheorien eine digitale Renaissance und verbreiten sich über Social Media rasant wie nie. Fake News, Hetze und Angstmacherei ergreifen immer mehr Gesellschaft und Politik und bestimmen die öffentliche Diskussion, sei es am Stammtisch oder in einschlägigen Facebook-Gruppen. So ließe sich beweisen, dass in Wahrheit der französische Geheimdienst hinter dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" stecke, dass die New Yorker Twin Towers gesprengt wurden und die erste Mondlandung ohnehin eine Fälschung war. Letztlich sei jeder Einzelne sowieso nur eine hilflose Marionette im Weltentheater, gesteuert von mächtigen Kreisen, die hinter den Kulissen die Fäden ziehen. Ob Illuminaten, Freimaurer, das Pharmakartell oder die Juden: Geheimgesellschaften haben, so gängige Theorien, Politik und Medien längst infiltriert und steuern sie, um im Verborgenen die Weltherrschaft zu übernehmen. Der Dokumentarfilm beschäftigt sich mit diesen konspirativen Welterklärungen und untersucht, wie die Gesellschaft das wachsende Phänomen in den Griff bekommen kann. Wie entstehen Verschwörungstheorien und Fake News im Social-Media-Zeitalter? Wie werden sie verbreitet und wer profitiert davon? Was erzählen sie uns über uns selbst und die Zeit, in der wir leben? Führende Verschwörungstheoretiker, Historiker, Philosophen, Psychologen und Netzwerkforscher in Paris, Wien, New York und Skopje geben Antworten. Ein exklusiver Besuch in der Großloge von Österreich gibt Einblick in die Geschichte der Freimaurer. Fake-News-Produzenten aus Mazedonien erklären ihr Geschäft und zeigen einen nahezu industriellen Umgang mit der bezahlten Produktion von Falschmeldungen. Und das Pariser Web-TV-Team Spicee demonstriert, wie verblüffend einfach es ist, eine Verschwörungstheorie zu produzieren und wie schnell sie viral geht. Parallel zur Dokumentation lädt ein Web-Game den User ein, sich aus einem Online-Baukasten seine ganz persönliche Verschwörungstheorie zu basteln. Ein spielerisch-satirisches Tool, um Methoden, Nutzen und Nutznießer von Verschwörungstheorien leichter durchschaubar zu machen.

13.9., BR, 19.00 Uhr: "Stationen"

Auf den ersten Blick mag dieses Thema für eine religiöse Reihe ungewöhnlich wirken: Moderatorin Irene Esmann ist unterwegs mit jungen Leuten, die etwas bewirken und Lust auf Demokratie machen wollen; in einer Zeit, da Despoten in aller Welt an Macht gewinnen und demokratische Prozesse auch hierzulande vielen als mühsam und lästig gelten. Was haben Religion und Politik überhaupt miteinander zu tun? Der Film porträtiert Menschen, für die beides untrennbar zusammengehört, die für politische Ziele beten, arbeiten und kämpfen. Mancher gerät dabei in Konflikt mit dem Staat; oder mit der Kirche. Und mancher musste sein Engagement schon teuer bezahlen.

13.9., SWR, 23.30 Uhr: "Muslimische Friedenskämpfer"

Ein Mainzer Präventionsprogramm hat sich zum Ziel gesetzt, muslimische Jugendliche vom Extremismus fernzuhalten. Die Gründer des Programms arbeiten als muslimische Gefängnisseelsorger auch gegen die Radikalisierung in deutschen Gefängnissen. Spätestens seit den Anschlägen von Paris und Brüssel gelten Gefängnisse auch in Europa als Brutstätten für Extremisten und islamistische Attentäter. Alle sind sich einig: Dagegen muss dringend etwas unternommen werden. Aber was? Die Pädagogin Misbah Arshad hat ein Anti-Radikalisierungsprogramm, ein Präventionsprogramm entwickelt, das Mainzer Jugendbildungsprogramm "Kompass - Muslimische Jugendbildung". Unterstützt wird sie dabei von Mustafa Cimsit, Religionswissenschaftler und Imam. Das Programm richtet sich an muslimische Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren, Mädchen und Jungs; das ist ungewöhnlich für eine muslimische Gemeinde. Das Ziel: Eine kritische Auseinandersetzung mit den Themenkomplexen Islamismus, Dschihadismus und Salafismus aus theologischer, gesellschaftlicher und politischer Perspektive. Misbah Arshad und Mustafa Cimsit haben neben "Kompass" noch eine weitere berufliche Aufgabe, die ihnen sehr am Herzen liegt: Sie sind beide Gefängnisseelsorger für muslimische Gefangene in der JVA Frankfurt. Mustafa seit 2012 und Misbah seit 2015 im Frankfurter Frauengefängnis. Eine der ersten überhaupt in Deutschland. Bei ihrer Arbeit geht es nicht nur um klassische Seelsorge. Auf dem Spiel steht weit mehr: Beide wollen verhindern, dass sich Muslime hinter Gittern den Islamisten anschließen. Ihre Arbeit ist nichts anderes als Terrorprävention. Der Film begleitet Arshad und Cimsit ein Jahr lang bei ihrer Präventionsarbeit mit den muslimischen Jugendlichen in Mainz, Wiesbaden und bei ihrer Gefängnisseelsorge in Frankfurt.

13.9., SWR, 0.30 Uhr: "Willkommen auf Deutsch"

In Deutschland geht die Angst vor einer neuen Flüchtlingswelle um. Im vergangenen Jahr haben hier 200.000 Menschen Asyl beantragt, in diesem Jahr werden es noch mehr sein. Doch was passiert, wenn in der Nachbarschaft plötzlich Asylbewerber einziehen? Wenn Menschen aufeinander treffen, die sich fremd sind, die nicht einmal miteinander reden können?
Der Dokumentarfilm  beobachtet diese Entwicklung am Beispiel zweier Gemeinden im Landkreis Harburg, deren Bewohner stellvertretend für 82 Millionen Deutsche stehen. Hier lebt die bürgerliche Mitte Westdeutschlands. Gelegen zwischen der Lüneburger Heide und nahe Hamburg leben hier 240.000 Einwohner. Die Arbeitslosigkeit liegt bei nur fünf Prozent. Die Welt scheint in Ordnung. Dann sollten junge Männer, die Armut und Perspektivlosigkeit entfliehen wollten, in einem 400-Seelen-Nest untergebracht werden, das weder Bäcker noch Supermarkt hat. Jetzt leben die teilweise traumatisierten Flüchtlinge neben Dorfbewohnern, die sich angesichts der neuen Nachbarn um ihre Töchter und den Verkaufswert ihrer Eigenheime sorgen. Wie passt das alles zusammen? Carsten Rau und Hauke Wendler haben über einen Zeitraum von fast einem Jahr Flüchtlinge, Anwohner und den Bereichsleiter der völlig überlasteten Verwaltung begleitet. Ihr Film beschreibt die kleinen und großen Konflikte, die dabei aufbrechen. Der Film lässt auch jene zu Wort kommen, die man an den Stammtischen vermutet, aber selten offen sieht und hört. Die mehrfach ausgezeichneten Regisseure beschränken sich dabei nicht auf eine Bestandsaufnahme deutscher Asylpolitik. Sie gehen auch der Frage nach, was einem nachhaltigen Wandel der Ausländer- und Integrationspolitik in diesem Land tatsächlich im Wege steht.

14.9., SWR, 21.45 Uhr: "Die Wahl bei uns: Wahre Christen oder böse Hetzer?"

 Der Konflikt zwischen christlichen Kirchen und der rechtpopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) scheint unversöhnlich. Rassismus, Verunglimpfung von Religionsgemeinschaften, Fremdenfeindlichkeit oder gar Hass gegenüber Flüchtlingen und Bedrohung kirchlicher Flüchtlingshelfer seien mit christlichen Werten nicht vereinbar, sagen Kirchenführer. Sie fordern dennoch den Dialog zwischen Christen und AfD-Anhängern. Denn unter den AfD-Anhängern sind aktive Christen, die zum Teil sogar kirchliche Ämter bekleiden. SWR-Reporter Thomas Leif ist auf Spurensuche gegangen. Er will herausfinden, was die Motive, Weltbilder und Positionen führender Akteure der Vereinigung "ChrAfD" (Christen in der AfD) sind. Aber er zeigt auch den Konflikt innerhalb der Kirche. Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Katholischen Deutschen Bischofskonferenz, hat ein klares Signal in Richtung AfD gesetzt: Die Partei sei nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar und für Christen nicht wählbar. Im Gegenzug forderte Armin Paul-Hampel aus dem AfD-Bundesvorstand die christlichen Parteimitglieder zum Kirchenaustritt auf. Die Kirche vertrete das Christentum nicht mehr. Andere Spitzenfunktionäre werfen den Kirchen vor, sie machten Profit mit den Flüchtlingen und seien ein "Asylindustrieverband." Leifs Team konnte bei internen Treffen drehen und erstaunliche Einblicke in das Milieu der Christen in der AfD gewinnen. Es entstand der Eindruck einer lose verbundenen Gruppe, keiner Vereinigung mit gemeinsamen Überzeugungen. Bisher nicht veröffentlichte Analysen über die "konservativen, wahren Christen", wie sie sich selbst nennen, fügen sich zu einem Gesamtbild. Die christlichen Kirchen übernehmen mit ihrem Ringen um einen angemessenen Umgang mit der AfD eine gesellschaftspolitische Pionieraufgabe, stellvertretend für andere Verbände und Parteien. Diese scheuen meist die Auseinandersetzung mit AfD-Funktionären und Wählern, auch wenn in ihren Reihen ein Sympathiepotential für rechtspopulistische Positionen besteht.

14.9., WDR, 22.40 Uhr: "Menschen hautnah: Wo ist mein Kind?"

Ein ganz normaler Tag im Oktober 1998. Die 15-jährige Tanja aus Wuppertal geht zur Schule, ihre Mutter zur Arbeit. Doch am Nachmittag kommt Tanja nicht nach Hause. Bis heute ist sie verschwunden. Jede Suche, alle Ermittlungen bleiben erfolglos. Jahrelang hofft Tanjas Mutter Elisabeth, dass ihre Tochter irgendwann zurückkommt. 14 Jahre nach Tanjas Verschwinden meldet sich ein fremder Mann bei ihr. Patrick O. behauptet, Informationen über Tanja zu haben. Die Polizei ermittelt, doch die Spur führt ins Nichts. Vier Jahre später meldet sich Patrick O. erneut. Zu der Zeit sitzt er wegen Betrugs und Körperverletzung im Gefängnis. Er schreibt, er wisse, wo Tanja ist. Mit großen Erwartungen fährt Elisabeth K. zu ihm ins Gefängnis. Gibt es neue Hoffnung oder spielt Patrick O. nur mit der Not der Mutter? Der Film erzählt die Geschichte von Eltern, die in ihrer Verzweiflung alles tun würden, um ihre Kinder wiederzufinden; und er zeigt, dass es Menschen gibt, die das schamlos ausnutzen. Dieser Frage muss sich auch Joachim G. immer wieder stellen. Seit fast drei Jahren sind seine beiden Söhne - damals 19 und 23 Jahre alt - verschwunden. Sie wollten sich der Terrororganisation IS anschließen und reisten nach Syrien. Seitdem versucht Joachim G. alles, um seine beiden Söhne zurückzubekommen. Schon zwanzigmal ist er in die Türkei und nach Syrien geflogen, um sie zu suchen. Immer wieder bezahlt er Schleppern und angeblichen Informanten viel Geld, damit sie ihm dabei helfen; bisher ohne Erfolg.

15.9., NDR, 21.15 Uhr: "Die Lebensretter aus Hannover"

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) ist das größte Lungentransplantationszentrum der Welt. Die Reportage begleitet Ärzte und Patienten bei diesen komplexen Eingriffen. Dafür ist ein Filmteam mehrere Tage lang mit den Herz- und Thoraxchirurgen der MHH unterwegs. Es fliegt mit ihnen zu Organentnahmen in ganz Europa und begleitet sie bei ihrer spannenden, manchmal bizarren Arbeit, die ihnen häufig schlaflose Nächte bereitet. Die Reportage zeigt, worauf die Spezialisten achten müssen, wenn sie Herz- und Lungentransplantationen vornehmen, und wie eine derartige Operation funktioniert. Der Film zeigt den Arztalltag zwischen Leben und Tod, macht viele Details von Lungen- und auch Herztransplantationen besser verständlich. Das Team erlebt den Stress auf der Station, wo die Transplantationen durchgeführt werden, und lernt auch die bisweilen skurrile Arbeit der Pathologen kennen. Die Reportage begleitet leidenschaftliche Ärzte, Schwestern und Pfleger bei ihrem pausenlosen Einsatz, Leben zu retten, und erzählt, wie Patienten dadurch ein neues Leben geschenkt wird.

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