Ermittlungen gegen früheren Kirchenasyl-Koordinator

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den früheren Kirchenasyl-Koordinator der bayerischen evangelischen Landeskirche, Stephan Theo Reichel. Die Landeskirche bestätigte am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd) einen entsprechenden Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Online).

Ein Polizist habe ihn telefonisch über das gegen ihn laufende Verfahren informiert und ihn befragt, wird Reichel zitiert. Damit werde erstmals gegen einen Vertreter der Landeskirche juristisch vorgegangen, kritisierte er. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt erklärte laut "Süddeutscher Zeitung", hinter den Ermittlungen gegen Reichel stehe "keine neue Linie". Reichel werde als Beschuldigter geführt, weil sein Name in einem Brief einer Kirchengemeinde auftauche. Reichel hatte eine Gemeinde in Nordbayern beraten, die Afghanen vor der Abschiebung schützen will.



In den vergangenen Monaten waren immer mehr Fälle in Bayern bekannt geworden, in denen Ermittlungen gegen Pfarrer oder Kirchenvorstände aufgenommen wurden, die Flüchtlingen Kirchenasyl gewähren. In anderen Bundesländern sind solche Ermittlungsverfahren nicht üblich.

Laut Landeskirche ist der Zeitpunkt der Ermittlungen gegen Reichel durchaus brisant. Denn erst Mitte August hatte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) versöhnlichere Töne in Sachen Kirchenasyl angeschlagen und den "Wunsch formuliert, dass Bayern nicht vorprescht". Die Zahl der Kirchenasyle sei nicht so hoch, dass radikale Schritte wie die Ermittlungen gegen Pfarrer gerechtfertigt wären, sagte damals eine Staatskanzlei-Sprecherin dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Der 64-jährige Reichel hatte seine aktive Tätigkeit als Koordinator und Ansprechpartner zum Thema Kirchenasyl für die Landeskirche zum 1. Juli beendet. Er war ab Oktober 2014 zunächst als freier Berater und seit Anfang Januar dieses Jahres als Angestellter tätig. Für eine Stellungnahme war er am Samstag zunächst nicht erreichbar.