"Wir kriegen dich!" Pfarrer im Visier der Rechten

Pfarrer im Visier der Rechten.

Foto: MDR/NDR/EIKON Nord GmbH/Dominiqu

Demo der Nazi-Partei "Der III. Weg" am 1. Mai 2017 in Gera.

Mitten in der Nacht wird ein Pfarrer in der Nähe von Aachen niedergeschlagen. Pfarrer Charles Cervigne ist dafür bekannt, dass er sich seit Jahren um Geflüchtete kümmert und auch Kirchenasyl organisiert. Ohne Spuren zu hinterlassen tauchen die Täter ab. Der Angriff ruft die Gemeindeglieder auf den Plan.

2.9., ZDF, 17.35 Uhr: "Mein Land, Dein Land"

Es ist ein Gedränge wie auf dem Bazar: Kaffeeverkäufer zwängen sich mit Kannen durch die Menge, die arabischen Supermärkte sind voll, es gibt Falafel oder Fladenbrot und Shisha-Bars. Es riecht nach Heimat und ist doch in Berlin; die Sonnenallee im Bezirk Neukölln ist zur "Schara Al Arab", zur arabischen Straße, geworden. Viele Migranten finden hier ihren ersten Anlaufpunkt. Friseursalons reihen sich an Geschäfte mit orientalischen Backwaren und Schaufenstern mit üppig verzierten Hochzeitsgewändern. Arabische Satzmelodien mischen sich mit dem Lärm der dicht befahrenen Straße, ein Gewirr aus lauten Stimmen, Hupen und Polizeisirenen.

Enrico Demurray stellt in seiner Reportage einige der Menschen vor, die hier leben und arbeiten. Konditor Imat zum Beispiel ist vor zwanzig vor dem Bürgerkrieg im Libanon nach Deutschland geflüchtet. In seiner arabischen Konditorei sieht es aus wie im Vorderen Orient, aber es gibt auch Obsttörtchen für die deutsche Kundschaft. Im Laden arbeitet die ganze Familie mit, Sohn, Schwiegersohn, Neffe, und auch zwei geflüchtete Syrer hat er in der Backstube beschäftigt. Imat hilft gern, er weiß, wie schwer es ist, in einem Land anzukommen, ohne eine Ahnung von dessen Kultur zu haben. Die Zuckerbäckerei ist ein Anlaufpunkt für viele in der Sonnenallee.

Für Flüchtlinge, die eine Wohnung suchen, für die Inhaberin des Brautkleiderladens, die sich Baklava zum Tee kauft, für syrische Familien, die schon lange hier leben und Heimatliches essen möchten. Auch der türkischstämmige Kommissar kommt – nach einigen Festnahmen von Drogendealern und dem sich anschließenden Papierkram – gelegentlich in die Konditorei. Er kann nur die kleinen Dealer auf den Straßen rund um die Sonnenallee festnehmen, an die Hintermänner kommt man schlecht ran. Viel zu oft werden sie schon bald wieder freigelassen. Die Neuköllner Bürgermeisterin Franziska Giffey fordert mehr Polizei und Ordnungskräfte rund um die Sonnenallee. Eigentlich, sagt sie, müsste die Polizei rund um die Uhr Präsenz zeigen. Aber dafür fehlen die Mittel.

Trotzdem ist sie stolz auf die Sonnenallee. Viele Geschäfte arabischer Einzelhändler florieren. Manche wurden erst vor kurzem von syrischen Geflüchteten eröffnet. Sie arbeiten hart und zeigen, dass man dem deutschen Staat nicht auf der Tasche liegen muss. Sie strengen sich an, die deutsche Sprache zu lernen und schicken ihre Kinder in die Schule. So könnte Integration gelingen.

Aber nicht alle Anwohner der Sonnenallee sind da so optimistisch. Vor einigen Jahren hat Stadtführerin Johanna den Kiez noch als multikulturellen Schmelztiegel angepriesen. Nun warnt sie vor naiver Beschönigung der Situation. Die Ausbreitung der muslimischen Kultur vor ihrer Haustür würde das gefährden, was die Frauenbewegung mühsam erkämpft habe; der Geist der Freiheit und des Selbstbestimmungsrechts würde von einer selbstherrlichen Machokultur verdrängt. Der Film führt in das Innenleben einer Straße, die zu den interessantesten Orten Deutschlands gehört. Denn hier zeigt sich, ob Integration gelingen kann.

2.9., Arte, 21.40 Uhr: "Vererbte Narben - Generationsübergreifende Traumafolgen"

Die Dokumentation informiert über ein verstörendes Phänomen: Ein Vierjähriger wird von Sirenenalarm aus dem Schlaf gerissen. Die Eltern sind nicht da. Panisch verlässt er das Haus und flüchtet unter eine Brücke - und das mitten im Frieden. Seine Mutter kann sich sein Verhalten nicht anders erklären, als dass er ihre erlebte Angst vor Bomben im Krieg sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen hat. Dabei wollten die Eltern ihre Kinder bewusst angstfrei erziehen.

Ein Algerier in Paris hat gleich mehrere Traumafolgestörungen seiner Vorfahren übernommen, sogar noch aus dem Ersten Weltkrieg. Eine junge Frau deckt den von Generation zu Generation wiederholten Kindesmissbrauch innerhalb ihrer Familie auf. Familiengeheimnisse, körperliche und seelische Traumata, familiärer Stress und zementierte Glaubenssätze wirken sich nicht nur auf diejenigen aus, die es selbst erleiden, es kann sich sogar auf die nachfolgenden Generationen auswirken.

Diese entwickeln dann Symptome, als hätten sie das Leid der Eltern selbst erlebt: unerklärliche Ängste, Beziehungsstörungen, Albträume und psychosomatische Erkrankungen. Und sie inszenieren die Schrecknisse der Eltern und Großeltern unbewusst immer wieder neu. Die schlimmsten Verursacher von Traumafolgestörungen und deren Übertragung auf die nachfolgenden Generationen sind Kriege. Sie produzieren Schmerz, Verlust und großes Leid auch bei den Kriegskindern, obwohl ihnen doch die Gnade der späten Geburt zuteil wurde.

2.9., Arte, 23.30 Uhr: "Philosophie"

Wie soll man mit Schmerzen umgehen? Soll man sie medikamentös ausschalten, weil sie im Alltag lästig sind? Soll man sie schätzen, weil sie beweisen, dass man am Leben ist? Wer Schmerzmittel aus Prinzip ablehnt, gilt bisweilen als Masochist. Doch ist die konsequente Flucht vor Schmerz nicht auch eine Abkehr von Leben und Körperlichkeit?

Der Film diskutiert diese Fragen mit der Philosophin und Psychoanalytikerin Cynthia Fleuri. Im Christentum wird der Schmerz als notwendiges Opfer auf dem Weg zur Erlösung angesehen, in der Ideologie mancher Weltverbesserer dagegen als Übel, das niemand verdient. Doch wo liegt die Balance zwischen den beiden Extrempositionen? Ist das Aushalten von Schmerz eine wesentliche Lektion in der Schule des Lebens - frei nach Nietzsches Motto: "Was mich nicht umbringt, macht mich stärker?"

3.9., ARD, 17.30 Uhr: "Gott und die Welt: Wir kriegen dich!"

Mitten in der Nacht wird ein Pfarrer in der Nähe von Aachen niedergeschlagen. Pfarrer Charles Cervigne ist dafür bekannt, dass er sich seit Jahren um Geflüchtete kümmert und auch Kirchenasyl organisiert. In seiner Studentenzeit bekämpfte er bereits rechtsradikale Umtriebe. Als die Flüchtlingswelle ihren Höhepunkt hatte, wird Cervigne massiv von rechten Schlägern angefeindet und bedroht, dieses Mal machen sie ernst. An seiner Haustür wird er niedergeknüppelt. Ohne Spuren zu hinterlassen tauchen die Täter ab. Der Angriff ruft die Gemeindeglieder auf den Plan.

Sie organisieren sich, um das Pfarrhaus zu bewachen und ihren Pfarrer zu beschützen. Charles Cervigne lässt sich nicht beirren: "Wenn wir die Gnade Gottes erwarten, müssen wir Menschen erst einmal anfangen, selbst gnädig untereinander zu sein."  In der Lüneburger Heide wird Pfarrer Wilfried Manneke am frühen Morgen von seinem Sohn auf eine Brandspur am Haus aufmerksam gemacht. Der Junge will gerade zur Schule gehen, als er die Spuren des Angriffs auf sein Elternhaus bemerkt. Ein Molotow-Cocktail hätte einen Brand entfachen und die Familie in Lebensgefahr  bringen können. Der Geistliche, dem der Anschlag gilt, ist seit Jahren bekannt für sein Eintreten gegen Rechts.

Früher war der protestantische Geistliche Auslandspfarrer in Südafrika, noch zur Zeit der Apartheid. Was er dort erlebt, macht ihn sensibel auch für Formen des Rassismus in seiner Heimat. Als er 1995 nach Unterlüß in der Südheide kommt, schließt er sich sofort den Protesten gegen ein örtliches Neonazi-Zentrum an. Manneke ist sich auch nach dem Anschlag auf sein Pfarrhaus sicher: Nichts wird ihn davon abhalten, sich auch künftig den Nazis in den Weg zu stellen. Dritter Protagonist dieser Reportage von Dominique Klughammer und Stefan Suchalla ist Pfarrer Michael Kleim aus Gera. Auch er fühlt sich schon lange bedroht. Sein Briefkasten wird gesprengt, zudem ist er Gewaltaufrufen im Internet ausgesetzt. Der Kampf gegen Rechts wird wider Willen zu seinem Lebensthema. Schon in der DDR hatte er sich für Demokratie und Menschenrechte eingesetzt. Pfarrer Kleim ist der Meinung: Auch heute lohnt es sich, für Demokratie und Menschenrechte zu kämpfen. Eine um 15 Minuten längere Version des Films zeigt die ARD unter dem Titel "Kreuz ohne Haken" am Montag um 23.45 Uhr.

4.9., 3sat, 0.05 Uhr: "37 Grad: Schwarze Haut - deutscher Pass"

Esi aus Ghana, Ewane aus Kamerun und Emiliano aus Mosambik: Sie sind Menschen mit schwarzer Hautfarbe und deutschem Pass. "37 Grad" begleitet sie in dem Spannungsfeld zwischen Integration, Vorurteilen und realen Problemen, ausgelöst durch die politischen Veränderungen.
Ewane aus Kamerun lebt in der Lüneburger Heide und will Polizist werden, die Zuckerbäckerin Esi aus Ghana ist im Schwabenland zu Hause, Krankenpfleger Emiliano baut Gemüse im Schrebergarten in Dresden an. Sie sind Menschen mit afrikanischer Herkunft, die "deutsche" Werte verinnerlicht haben, die die hiesige Kultur schätzen und ein Stück "dankbar" sind, in Deutschland zu leben. Insofern können sie zwar als positive Beispiele von Integration gelten, aber sie leben keineswegs in einem konfliktfreien Raum.

Gerade durch die aktuelle Diskussion über die "Flüchtlingskrise" und die deutsche Leitkultur werden sie umso mehr herausgefordert, sich mit den Problemen auseinanderzusetzen, die die Migrationswelle mit sich bringt, etwa die Ereignisse der Kölner Silvesternacht. Wie erleben schwarze Mitbürger, die Deutschland als ihre Heimat betrachten und sich für die Kultur und die Möglichkeiten, die ihnen das Land bietet, einsetzen, die Veränderungen? Ewane ist stolz, Deutscher zu sein und stolz auf dieses Land." Er wurde vor 28 Jahren in Kamerun geboren, seine Mutter starb bei der Geburt, ein deutscher Arzt hat ihn adoptiert.

Sein Vater prägte ihn sehr mit seinen Wertvorstellungen: mit Offenheit, positiven Gedanken und dem Wunsch, etwas Sinnstiftendes zu tun. Die Kindheit war für Ewane trotzdem schwer. Nach dem Tod des Vaters wuchs er bei seiner Tante in einem Brennpunktviertel in Hamburg auf. Gewalt und Mobbing gehörten zur Tagesordnung. Ewane flüchtete sich in die Musik, wurde Rapper. Doch seine Botschaften sind nicht Gewalt und Crime, sondern Optimismus und eine tolerante, positive Gesellschaft. Dafür setzt Ewane sich ein: Er gibt Kurse zur Gewaltprävention, außerdem hat er eine Ausbildung als Polizist angefangen.

Esi J. (51) ist Spezialistin für Spätzle und Maultaschen, und als Zuckerbäckerin versüßt sie zahlreichen Hochzeitspaaren den schönsten Tag. Die gebürtige Ghanaerin kam der Liebe wegen vor knapp zwanzig Jahren hierher. Ihr Mann Martin war Lehrer in Ghana, sie machte ihm den Haushalt. Der Altersunterschied von 26 Jahren ist kein Hindernis, sie sind heute noch ein glückliches Paar. Wenn Esi im schwäbisch-beschaulichen Schorndorf über den Markt geht, bleibt sie ständig stehen, um jemanden zu begrüßen.

Auch als Gemeinderätin ist sie anerkannt. Emiliano stammt ursprünglich aus Mosambik; jetzt baut er in seinem Schrebergarten in Dresden Gemüse an. Er kam 1986 als Automechaniker in die DDR, 1990 stand er vor der Alternative: zurück nach Afrika zu gehen oder sich ein Bleiberecht zu erarbeiten. Durch eine Umschulung zum Krankenpfleger konnte er seinen Aufenthalt in Deutschland retten. Heute arbeitet der 52-Jährige im Schichtdienst im Klinikum Friedrichstadt auf der urologischen Station. Bei den Kollegen ist er beliebt, von den Chefs wird er geachtet. Anders ist es auf der Straße; die "Pegida"-Kampagne ist nicht ohne Folgen geblieben. Emiliano hat den Deutschtümlern auf seine Weise geantwortet und einen Verein für Toleranz und Weltoffenheit gegründet.

5.9., ZDF, 22.15 Uhr: "37 Grad: Gestohlenes Vertrauen"

Sicherheit ist ein wichtiges Thema geworden in Deutschland. Auch wenn seit ungefähr einem halben Jahr die Einbruchszahlen wieder etwas zurückgehen, bleibt die Verunsicherung bestehen. Die Opfer leiden oft noch Jahre später, zumal die Aufklärungsrate laut Polizeilicher Kriminalstatistik bei Einbrüchen 2016 bundesweit bei nur rund 16,9 Prozent lag. Werden sich die Opfer je wieder sicher fühlen in den eigenen vier Wänden? Was ist, wenn die Einbrecher wiederkommen? Wie soll man mit der Angst umgehen? Fragen, die die Opfer bis in den Schlaf verfolgen. So hat es auch die alleinerziehende Innenarchitektin Christina erlebt.

Als sie mit ihrem kleinen Sohn eines Nachmittags nach Hause kommt, ist die Wohnung verwüstet. Sämtliche Schränke und Schubladen sind ausgeräumt. Computer, Geld, Kamera: alles weg. Christina versucht, sich zusammenzureißen, aber dieser Nachmittag traumatisiert sie und ihren Sohn. Seither fragt der Junge immer, ob sie mitkommt, wenn er in sein Zimmer gehen will. Sie soll ohne ihn nicht mal mehr kurz zum Auto gehen oder einkaufen, weil der Kleine nicht allein bleiben kann. Christina sucht eine Therapeutin auf, weil sie nicht mehr klarkommt. Erst nachdem sie sich ihre Angst eingestehen kann, lernt Christina, mit dem Verlust ihres Sicherheitsgefühls, mit dem Ende ihrer "heilen Welt", umzugehen. Und mit den Ängsten ihres Sohnes.

Zweites Beispiel dieser Reportage ist Familie Müller aus einer Kleinstadt, in der besonders oft eingebrochen wird. Vater Marco leitet einen Pflegedienst, Mutter Manuela ist Krankenpflegerin. Auch bei ihnen wurde eingebrochen, und seither hält es Marco kaum aus, seine Frau allein im Haus zu wissen, wenn er unterwegs ist. Die Müllers wollen sobald wie möglich in ein eigenes Haus ziehen. Aber eine allzu aufwendige Sicherheitstechnik können sie sich nicht leisten. Was also tun, um sich wieder sicher zu fühlen? Auch in ländlichen Regionen ist die Welt alles andere als in Ordnung. Als der Landwirt Jens und seine Frau Katrin an einem frühen Winterabend nach Hause kommen, steht die Terrassentür auf. Sämtliche Wertsachen sind gestohlen worden. Für das Ehepaar bedeutet das eine existenzielle Verunsicherung, die die Familie vorher nicht kannte. Das Dorf hat nur eine Handvoll Bewohner. In der Umgebung sind in den vergangenen Jahren mehr und mehr Polizeistationen abgebaut worden. Und das, obwohl sich die Kriminalität in einigen Regionen Deutschlands aufs Land verlagert hat. Der Film dokumentiert, wie die Angst nach einem Einbruch das Leben verändert und wie sie bewältigt werden kann.

6.9., BR, 19.00 Uhr: "Stationen"

Der Heilige Franz von Assisi, erzählt die Legende, predigte den Vögeln und versöhnte die Stadt Gubbio und einen Wolf; kein Wunder, dass er zum Schutzheiligen der Tiere und zum Namensgeber vieler Tierschutzinitiativen wurde. Die Kirchen feiern ihn am 3. und 4. Oktober, Anlass für "Stationen", das komplizierte Verhältnis von Mensch und Tier zu beleuchten. Moderator Benedikt Schregle macht zu diesem Zweck ein Praktikum auf einem ganz besonderen Bauernhof. Der Film erzählt Geschichten von (Tier-) Liebe und Abschied und erkundet, ob man tatsächlich mit Tieren sprechen kann. Theologische Fragen beantwortet Rainer Hagencord, der ein Institut für Theologische Zoologie gegründet hat.

7.9., WDR, 22.40 Uhr: "Menschen hautnah: Kuckuckskinder"

Katharina Wulff-Bräutigam erzählt in ihrem Film von dem verzweifelten Wunsch zweier Menschen, endlich zu wissen, wer sie sind und woher sie kommen. Kai R. ist ein Scheidungskind und beim Vater aufgewachsen. Die Mutter war nie für ihn da, sie hat sich nicht mal zu den Geburtstagen gemeldet. Vater Günter war Kais Hauptbezugsperson. Was beide jahrzehntelang nicht wussten: Kai ist nicht Günters leiblicher Sohn. Dies erfährt Kai vor einigen Jahren von seinem Onkel, dem Bruder der Mutter. Er nennt Kai auch den Namen des potenziellen biologischen Vaters. Kai und Günter lassen schließlich einen Vaterschaftstest machen.

Das Ergebnis ist für beide ein Schock. Trotzdem soll sich nichts zwischen ihnen uns ändern. Kai sucht dennoch nach seinem biologischen Vater. Als er schließlich glaubt, ihn gefunden zu haben, besteht er auf einem Vaterschaftstest, doch der Mann weigert sich. Auch Kais Mutter will eine Vaterschaftsklage verhindern. Sie sagt, sie habe Günter schon vor langer Zeit darüber informiert, dass er vielleicht nicht der biologische Vater sei. Kai ist maßlos enttäuscht - von seiner Mutter und von seinem potentiellen Vater. Doch der 37-Jährige will nicht aufgeben und kämpft vor Gericht um sein Recht, zu wissen, wer sein biologischer Vater ist. Liane S. hat sich immer einen anderen Vater gewünscht, denn ihr Vater trank und schlug sie. Erst durch Zufall findet sie nach 44 Jahren heraus, dass sie ein Kuckuckskind ist, doch das erste Treffen mit Christian ist ernüchternd. So hatte sie sich den Retter nicht vorgestellt.

7.9., WDR, 23.25 Uhr: "Heute jung – morgen arm"

Wie ist es, wenn man fünfzig wird, Rente und Älterwerden keine abstrakten Begriffe mehr sind und man sich überlegt: Wird das Geld später reichen, um den jetzigen Lebensstandard zu halten? Was hat die Politik jeweils vor Wahlen versprochen und wo hat sie ihr Versprechen schon gebrochen?
Mit diesen Fragen im Gepäck bricht Eva Schötteldreier im Jahr der Bundestagswahl zu einer Reise durch Deutschland auf. Die Journalistin und Alleinerziehende mit zwei erwachsenen Kindern entdeckt ein Land mit einem Rentensystem in Schieflage. Nur wer von Anfang an mit einem relativ guten Einkommen als Arbeiter oder Angestellter kontinuierlich einzahlt, wird am Ende von der Rente halbwegs leben können. Was aber ist mit jenen, die immer nur befristet oder in Teilzeit Arbeit finden, die mit dem Mindestlohn nach Hause gehen oder sich um Kinder und alte Eltern kümmern? Werden sie im Alter bestraft? Tatsächlich hängt die Altersarmut wie ein Damoklesschwert über der Gesellschaft; in den kommenden ein bis zwei Jahrzehnten wird sich die Situation weiter verschärfen.

Viele Fehler stecken im System, das eigentlich würdevolles Altern sichern soll. Die Kritiker fragen sich: Warum zahlen nicht alle Berufstätigen in den großen Rententopf? Warum bleiben Freiberufler, Selbständige und Beamte von der Pflicht zur Solidarität befreit? Und warum werden Spitzenverdiener geschont? Die Noten für unser Alterssystem sind im europäischen Vergleich ungenügend, stellt die Autorin auf ihrer Reise fest, und erkundet, wie es in Holland und der Schweiz gelingt, eine würdevolle Absicherung im Alter zu garantieren.

7.9., MDR, 22.35 Uhr: "Said - mein neues Leben in Sachsen"

Mehr als die Hälfte der Geflüchteten, die seit 2015 nach Sachsen kamen, sind längst weitergezogen. Bessere Jobaussichten in anderen Bundesländern und die verbreitete Gewalt von rechts in Sachsen sind die Beweggründe. Aber eie geht es denen, die bleiben? Wie lebt es sich als Geflüchteter in Sachsen? Um diese Frage zu beantworten, begleiteten die Filmemacher Nina Mair und Robert Jahn den jungen Afghanen Said ein Jahr durch sein neues Leben in Sachsen.

Said ist erst 18 Jahre, aber er will sich dem Hass nicht beugen. Der junge Afghane lebt in Pirna bei Dresden. Freital und Heidenau sind nicht weit. Gefahr und Hass gehören auch für ihn zum Alltag. Kraft um durchzuhalten, findet er bei Imke, seiner neuen deutschen "Mama". Zu seinen leiblichen Eltern hat Said keinen Kontakt mehr. Der Vater ist tot, die Mutter lebt als Illegale irgendwo im Iran. Nach Europa kam er allein. In Sachsen engagiert sich Said in einer Theatergruppe. Gemeinsam mit anderen sächsischen und afghanischen Jugendliche tourt Said durch Dresden und Umgebung, ihr Thema ist "Willkommen Flucht".

Auch für die Theaterarbeit werden Said und die anderen angegriffen. Und bei einer Demo in Freital erlebt Said Wut und Hass der Rechten hautnah. Doch er gibt nicht auf. Er kämpft sich durch sein Asylverfahren und schafft den Sprung in eine Tischlerausbildung. Fast immer an seiner Seite ist Imke. Für Saids Ersatzmama ist es Lebensaufgabe anderen zu helfen. Sie selbst wurde in Pirna geboren, aber ihr Vater kam nach dem zweiten Weltkrieg als Flüchtling nach Sachsen. Sein Lebensmotto nach der Flucht: Die eigene Tür für Fremde immer offen halten. Und das lebt auch Imke. Ohne sie hätte Said den Neuanfang in Sachsen nicht geschafft. Für ihn ist klar: Seine Zukunft liegt in Sachsen.

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