Käßmann: Nächstenliebe bedeutet Einmischung in die Welt

Die Theologin Margot Käßmann

Foto: epd-bild/Harald Koch

Die Theologin Margot Käßmann

Nach Ansicht der Theologin Margot Käßmann kann das christliche Gebot der Nächstenliebe heutzutage zur Einmischung in die Welt ermutigen, wenn es als radikale Botschaft verstanden wird.

"Dann kann ich nämlich nicht wegschauen, wenn Menschen ertrinken im Mittelmeer, wenn Neonazis Geflüchtete angreifen, wo Islamophobie um sich greift und deutsche Rüstungsgüter in alle Welt exportiert werden", sagte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Sonntag bei einer Kanzelrede in Wittenberg.

Fünf Wochen vor der Bundestagswahl appellierte Käßmann zudem an die Politik, das Gebot der Wahrheit ernst zu nehmen. An die Gesellschaft gerichtete sagte sie, alles unter den Verdacht der Lüge und Fake News zu stellen, sei keine Grundlage für Zusammenleben.

Die Reihe "Wittenberger Kanzelrede" stellt im Jahr des 500. Reformationsjubiläums die vier Kernaussagen der Rechtfertigungslehre des Mönchs und Reformators Martin Luther (1483-1546) in den Mittelpunkt: sola gratia (allein aus Gnade), sola scriptura (allein aufgrund der Schrift), sola fide (allein durch den Glauben), solus Christus (allein Christus). Käßmanns Predigt hatte den Kernsatz "sola fide - Allein aus Glauben" zum Thema.

Käßmann war von 1999 bis 2010 Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers, in den Jahren 2009 und 2010 Ratsvorsitzende der EKD. Seit April 2012 ist sie Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017. Veranstalter der Kanzelreden sind die Evangelische Stadtkirchengemeinde, die Cranach-Stiftung Wittenberg, die Evangelische Akademie Sachsen-Anhalt und das Zentrum für Predigtkultur der EKD.

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