Hunderte demonstrieren gegen Neonazis bei Heß-Gedenken

Mehrere hundert Menschen haben am Samstag in Berlin-Spandau gegen einen Aufzug von Neonazis zum 30. Todestag des NS-Kriegsverbrechers Rudolf Heß (1894-1987) demonstriert. Zu den Gegendemonstrationen aufgerufen hatten mehrere Kirchengemeinden, Initiativen und linke Gruppen.

In der Spandauer Altstadt läuteten Kirchenglocken, um damit ein Zeichen für Frieden und Toleranz zu setzen. Heß hatte bis zu seinem Suizid 1987 im Spandauer Kriegsverbrechergefängnis gelebt. Die Polizei bezifferte die Zahl der Neonazis zunächst ebenfalls mit mehreren hundert. Angemeldet waren rund 500 Teilnehmer. Die verschiedenen Demonstrationen sollten noch bis zum Samstagabend andauern. Rund 1.000 Polizisten wurden eingesetzt, um Zwischenfälle zu verhindern.

Die Polizei kontrollierte nach eigenen Angaben die Teilnehmer des rechten Aufmarsches vorab unter anderem nach verfassungsfeindlichen Symbolen. So sollte die Verherrlichung des Kriegsverbrechers Heß ausgeschlossen werden. Zudem wurden Auflagen erteilt, deren Einhaltung ständig geprüft wurde. Sollten etwa verbotene Fahnen gezeigt werden, drohte ein Abbruch der Veranstaltung.

An der Zulassung der Neonazi-Demonstration hatte es Kritik gegeben. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) bedauerte, dass ein Verbot nicht möglich gewesen sei. "Jede Demonstration ist grundsätzlich erlaubt", betonte er im RBB-Inforadio: "Wir haben das sehr, sehr sorgfältig geprüft und festgestellt, dass die freiheitlich-demokratische Grundordnung leider auch für Arschlöcher gilt."



Heß wurde 1946 wegen Planung eines Angriffskrieges und Verschwörung gegen den Weltfrieden von einem internationalen Gerichtshof zu lebenslanger Haft verurteilt. Bis zuletzt blieb er bei seiner Gesinnung und stand damit hinter den Verbrechen des Naziregimes.