Hoffnung für die Christen im Libanon

Kirchenrat Klaus Rieth hält ein Ende des Massenexodus für möglich
Kirche in Beirut, Libanon.

Foto: shutterstock/Jeremiah Castelo

Kirche in Beirut, Libanon (Symbolfoto).

Sicherheit, Gesundheitsversorgung und Bildung - das sind die Dinge, die Christen im Grenzgebiet zwischen Syrien und dem Libanon nach eigenen Angaben brauchen, um weiterhin dort wohnen zu können. Und so hilft die württembergische Landeskirche dabei, das zu verwirklichen.

Die Situation der Christen an der syrisch-libanesischen Grenze scheint wieder hoffnungsvoller zu werden. Der Kirchenrat für Mission, Ökumene und Entwicklung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Klaus Rieth, sagte am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Vielleicht kann ihr Massenexodus nun endlich gestoppt werden." Er kehrte soeben von einer Reise in den Libanon zurück.

Im Norden Libanons in Ras Baalbek an der syrischen Grenze sei eine katholisch-melkitische Kirche gebaut worden, Um die hätten sich bereits 50 Familien angesiedelt, die dort bleiben wollen und Hoffnung haben, ein Auskommen zu finden, berichtete Rieth. "Die Menschen sagen uns, sie brauchen drei Dinge um hier weiterhin wohnen zu können: Sicherheit, Gesundheitsversorgung und Bildung."

Auch wenn in dem Grenzstreifen zwischen Syrien und dem Libanon noch immer die IS-Terrormiliz aktiv sei und gerade wieder Granaten in ein christliches Grenzdorf eingeschlagen seien, hoffe man, dass der "Islamische Staat" bald vom libanesischen Militär vertrieben wird. In dem Dorf Qaa, indem sich vor einem Jahr acht Selbstmordattentäter aus Syrien in die Luft gesprengt haben, würden nun mit Kameras die Straßen bewacht, damit sich so ein Vorfall nicht mehr ereignet.

Damit sich nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Gesundheitsversorgung verbessert, habe die württembergische Landeskirche das Projekt einer Partnerorganisation in dem Ort Baskinta unterstützt. Sie baut eine kleine Klinik auf, damit Menschen in den christlichen Orten in Not - und Katastrophenfällen schnelle Hilfe erhalten. Außerdem seien zwei Traktoren angeschafft worden, damit die Bewohner der christlichen Dörfer an der syrisch-libanesischen Grenze ihre Felder bestellen und bleiben können, so der Theologe.

Wegen des syrischen Bürgerkrieges wohnten zusätzlich zu den geschätzten 4,5 Millionen Libanesen nun auch 1,5 Millionen syrische Flüchtlinge im Land. In den rein christlichen Dörfern und Städten an der Grenze seien nun etwa ein Viertel der Dorfbewohner Flüchtlinge, denen ebenfalls Zugang zu den christlichen Schulen und medizinische Behandlung gewährt werde.

Von Regierungsseite würden die Christen sehr geschätzt, weil sie in der Lage sind, sowohl mit Schiiten als auch Sunniten friedlich zusammen zu leben. Dass die beiden islamischen Konfessionen an einem Ort gemeinsam wohnen, sei für beide - Sunniten und Schiiten - dagegen völlig ausgeschlossen. "Deshalb werden die Christen als Friedensstifter angesehen, oder zumindest als friedliebend, was ihren Stellenwert enorm steigert", sagte Kirchenrat Rieth. Die württembergische Synode unterstützt Projekte für die verbliebenen Christen im Libanon und Nordirak jährlich mit rund 100.000 Euro.