Eier-Vernichtung ethisch nicht vertretbar

Der Beauftragte für agrarsoziale Fragen der Evangelischen Kirche in Deutschland, Clemens Dirscherl, hat die Vernichtung von Eiern im Fipronil-Skandal kritisiert.

Dies sei angesichts der deutlich unter den gesundheitlich bedenklichen Schwellen liegenden Insektizidwerte "blödsinn und ethisch nicht vertretbar", sagte er am Samstag im baden-württembergischen Ingelfingen bei Heilbronn dem Evangelischen Pressedienst. Die derzeitigen Reaktionen seien "typisch für unsere egomanische Hysterie-Gesellschaft".

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Dirscherl rät den Verbrauchern: "Weiter Eier verzehren." Allerdings müssten die Hühnerhaltungen strenger kontrolliert werden und Rechtsüberschreitungen konsequent bestraft werden. Was geschehen sei, die Kontamination von Eiern mit nicht zugelassenen Desinfektionsmittel-Zusätzen, sei eine "eigentlich kriminelle Handlung".

"Das faktische Gefährdungspotenzial geht Richtung Null - das gefühlte scheint lebensbedrohlich", sagte Dirscherl zur aktuellen Stimmung in Medien und Bevölkerung. Viele Medien feuerten diese Stimmung an. Der Agrarexperte sagte, ihm erscheine es, als "warte man schon auf den jeweils nächsten Skandal, an dem sich die innere Unruhe einer zu perfekten Scheinwelt aufgeregt entladen kann". 

Fakt sei, dass bei der Hühnerhaltung die Gesundheitsprophylaxe eine Grundreinigung einschließlich Stalldesinfizierungen vorsieht. "Je größer der Stallbesatz, desto intensiver die Reinigung", erklärte Dirscherl. Das bedeute: "Intensiv-Tierhaltung mit Intensivreinigung". Freilich sei dabei angesichts der direkten Nahrungserzeugung im Hühnerstall besondere Vorsicht geboten. Es dürften nur anerkannte gesundheitlich unbedenkliche Mittel eingesetzt werden.

Lebensmittelkontrolleure hatten in den vergangenen Tagen Eier entdeckt, die Rückstände des Insektizids Fibronil enthielten. Das Mittel darf etwa bei Hunden zur Zeckenbekämpfung, nicht aber bei Tieren, die der Lebensmittelerzeugung dienen, eingesetzt werden. Die belasteten Eier stammten vor allem aus niederländischen Legehennenbetrieben. Große Lebensmittelhändler wie Aldi Nord, Aldi Süd und Rewe räumten daraufhin am Freitag die Regale.