Wacken-Pfarrer: Ein gutes Bibelwort kann bedrückten Fans aufhelfen

20 Festival-Seelsorger auf weltgrößtem Heavy-Metal-Festival
Landesjugendpastor Tilman Lautzas aus der Nordkirche.

Foto: epd-bild/Landesjugendpfarramt Nordkirche

Landesjugendpastor Tilman Lautzas aus der Nordkirche.

Stress, Schlammwetter und Alkohol können auf dem Wacken-Festival persönliche Probleme aufbrechen lassen. Da kann ein ruhiges Gespräch mit einem Pastor wohltuend sein, während die harten Beats von der Bühne dröhnen.

Tilman Lautzas war der erste Seelsorger auf dem größten Heavy-Metal-Festival der Welt, das von 3. bis 5. August 2017 zum 28. Mal im schleswig-holsteinischen Wacken stattfindet. Seit sieben Jahren koordiniert der Landesjugendpastor der Nordkirche die Arbeit des rund 20-köpfigen Seelsorgeteams: Psychologen, Sozialpädagogen, Diakone, Mediziner und Pastoren kümmern sich ehrenamtlich um die Sorgen der rund 75.000 erwarteten Konzertbesucher. Auch die wachsende Terrorangst könnte dieses Jahr ein Thema sein, sagte der 59-jährige Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Herr Lautzas, warum engagiert sich die evangelische Kirche in Wacken für die Seelsorge von Metalfans?

Tilman Lautzas: Es gibt Menschen, die vor Ort Unterstützungsbedarf haben, die verzweifelt sind oder Kraft brauchen. Für sie gab es bisher kein passendes Angebot - bis die Kirche vom Veranstalter angefragt wurde, ob sie eine Festivalseelsorge organisieren kann. 2010 fingen wir mit nur acht Ehrenamtlichen an und haben das Team immer wieder aufgestockt.

Mit welchen Problemen richten sich Festivalbesucher an das Seelsorgeteam?

Lautzas: Im Grunde mit dem ganzen Spektrum, das man in anderen Seelsorgeformen auch hat. Viele Leute bringen ihre Probleme in Familie, Beziehungen, Beruf und Ausbildung mit. Unter den verschärften Bedingungen des Festivals drängen sie dann nach oben. Drei Tage im Matsch, Lärm und Alkohol können zu Stress führen. Paare oder gute Freunde, die gemeinsam angereist sind, zerstreiten sich. Manche überforderte Besucher sind regelrecht traumatisiert und fühlen sich einsam.

"In Wacken gibt es eine ganze Menge religiöser Symbolik"

Wo ist die Festivalseelsorge auf dem Open-Air-Gelände zu finden?

Lautzas: Wir sind mit einem Zelt bei der Einsatzzentrale neben Polizei, Security, dem Roten Kreuz und der Feuerwehr angesiedelt und im Schichtbetrieb rund um die Uhr erreichbar. Zudem sind Zweierteams auf dem Festivalgelände unterwegs. Von Anfang mussten die multiprofessionellen Teams hohe Fallzahlen bewältigen. 

Wie geht man mit dem Thema Sicherheit und Terrorangst bei den Besuchern um?

Lautzas: Dieses Jahr scheint das Thema für die Besucher viel präsenter und wegen polizeilicher Überprüfungen erlebbarer zu sein als im Vorjahr. Insofern kann ich mir vorstellen, dass es mehr Menschen gibt, die darauf zu sprechen kommen.

Wird die Kirche von den oft kirchenkritischen Fans des Metal-Genres überhaupt ernst genommen?

Lautzas: Eine gewisse Spannung ist da und auch zu spüren: Manche Festivalbesucher und auch Medienvertreter fragen, 'Was macht ihr denn hier, wo es hier doch um dunklen Kult und seine Symbolik geht?' Und doch gibt es für die Kirche eine gewisse Affinität, denn in Wacken gibt es eine ganze Menge religiöser Symbolik - etwa im Bühnenaufbau und bei Shows. Erstaunlicherweise sagen viele Leute: 'Toll, dass ihr da seid'." Es kann sein, dass man in einer wichtigen Situation ein gutes Bibelwort weiß, das weiterhilft. Ziel ist es aber nicht, Menschen zu bekehren.