"Reporter ohne Grenzen" protestiert gegen Cumhuriyet-Prozess

Die Journalistenvereinigung "Reporter ohne Grenzen" hat das Verfahren gegen 17 Mitarbeiter der regierungskritischen türkischen Tageszeitung "Cumhuriyet" scharf kritisiert. Ein Gericht habe zwar am Freitagabend die vorläufige Freilassung von sieben Kollegen aus der Untersuchungshaft angeordnet, ihre juristische Verfolgung gehe jedoch weiter, erklärte die Organisation in Berlin. Vier Mitarbeiter blieben weiter im Gefängnis. Der Prozess geht voraussichtlich am 11. September weiter. Den Angeklagten drohen über 40 Jahre Haft.

"Trotz der angeordneten Freilassung war der Prozess gegen die Cumhuriyet-Mitarbeiter bisher an Absurdität und Willkür kaum zu überbieten", sagte Christian Mihr, Geschäftsführer von "Reporter ohne Grenzen". Journalisten, die nur ihre Arbeit gemacht hätten, würden wie Terroristen behandelt: "Mit dem Verfahren will die türkische Justiz die wenigen noch verbliebenen unabhängigen Stimmen im Land zum Schweigen bringen." Mihr fügte hinzu: "Alle Cumhuriyet-Mitarbeiter müssen freigesprochen und zusammen mit den über 160 in der Türkei inhaftierten Journalisten freigelassen werden."

In der Anklage wird den Journalisten und Mitarbeitern der Tageszeitung unter anderem vorgeworfen, die Bewegung des im Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen und die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK zu unterstützen. Zu Beginn des Prozesses am Montag hätten Angeklagte Vorwürfe bereits zurückgewiesen, sagte der deutsche Europaabgeordnete und Prozessbeobachter Arne Lietz (SPD) dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Elf der Cumhuriyet-Mitarbeiter sind "Reporter ohne Grenzen" zufolge seit mindestens sieben Monaten in Untersuchungshaft, darunter der Chefredakteur Murat Sabuncu, der im Gefängnis bleiben muss. Ebenfalls weiter inhaftiert würden der Herausgeber Akin Atalay sowie die Journalisten Ahmet Sik und Kadri Gürsel. Angeklagt ist auch der inzwischen in Deutschland lebende ehemalige "Cumhuriyet"-Chefredakteur Can Dündar.