Stuttgarter Prälatin bereut CSD-Schirmherrschaft "nicht eine Minute"

Arnold: Kirche ist "nicht nur homophob und schrecklich"
Gabriele Arnold

Foto: .elk-wue.de/Gottfried Stoppel

Die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold hatte ohne Absprache mit der Kirchenleitung die Schirmherrschaft für den Stuttgarter CSD übernommen - Konservative in der Landeskirche empörten sich. Sie selbst will einen "Perspektivwechsel" anregen.

Die Stuttgarter Prälatin Gabriele Arnold bereut trotz Kritik aus innerkirchlichen Kreisen "nicht eine Minute" die Übernahme der Schirmherrschaft für den Stuttgarter Christopher Street Day (CSD). Die Forderung nach vollkommener Anerkennung und Akzeptanz von gleichgeschlechtlich Liebenden unterstütze sie mit ihrer Schirmherrschaft vollumfänglich, sagte sie am Freitagabend beim CSD-Empfang im Stuttgarter Rathaus. Die Regionalbischöfin hatte die CSD-Schirmherrschaft ohne Absprache mit der Kirchenleitung übernommen, was für allem in konservativen Kreisen der Kirche für Unmut gesorgt hatte. 

"Ich persönlich habe mich unglaublich gefreut, als die 'Ehe für alle' gekommen ist", sagte sie. "Und ich persönlich möchte auch, dass alle, die das möchten, den Segen Gottes in einem Gottesdienst unserer Landeskirche bekommen." Allerdings wisse sie auch, dass es in der Kirche andere Stimmen gibt, mit denen sie unentwegt versuche, ins Gespräch zu kommen und sie zum "Perspektivwechsel anzuregen". Bisher können homosexuelle Paare in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg nicht öffentlich gesegnet werden. Die Landessynode will sich mit dem Thema bei ihrer Herbsttagung erneut beschäftigen.

Es sei ein gutes Erbe der Reformation, dass Protestanten diskutieren und hart streiten, sagte die evangelische Theologin: "Wir müssen danach suchen, was es heißt, Kirche der Freiheit zu sein und es nicht nur behaupten." Diese Prozesse seien manchmal ziemlich lang, nervenaufreibend und schwierig. "Bei aller Trauer und manchem Ärger", den sie in den letzten Wochen gehabt hatte, sei ihr das Ausdiskutieren trotzdem lieber "als dass mir einer sagt, wo es langgeht", betonte sie mit Blick auf die Katholische Kirche.

In der Kirchengeschichte sei durch Unrecht wie Hexenprozesse und Unterstützung der Apartheid immer wieder die allumfassende Liebe Gottes verraten worden. Aber es habe auch immer mutige Menschen gegeben, die sich gegen das Unrecht gestellt hätten und frei in ihrem Denken waren, betonte sie. Es sei wichtig, wahrzunehmen, "dass auch Kirche nicht nur homophob und schrecklich ist, sondern auch anders kann."

Fritz Kuhn, grüner Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart gratulierte allen, die sich seit Jahren für die "Ehe für alle" eingesetzt und nun ihr Ziel erreicht haben. Es gäbe bereits 25 Anfragen im Städtischen Standesamt in Stuttgart von Homosexuellen, die heiraten wollen, oder ihre eingetragene Partnerschaft in eine Ehe umwandeln möchten, berichtete er. Da die Adoption von Kindern im Normalfall Ehepaaren vorbehalten ist, sei es für ihn ein konsequenter Schritt, dass nun auch gleichgeschlechtliche Paare Kinder adoptieren können, so der Grünen-Politiker.

Für Christoph Michl, Geschäftsführer der IG CSD Stuttgart ist die Eheöffnung ein historischer Erfolg, habe allerdings viel zu lange gedauert. Zudem sei die Abstimmung im Bundestag nicht von "einstimmigen Respekt und Würde gekennzeichnet" gewesen, kritisierte er. Das "Paradies der Gleichberechtigung" sei noch längst nicht erreicht. Nun müsse über Stiefkindadoption und die Reproduktionsmedizin mit mehreren Vätern und Müttern diskutieren. In der Kirche müsse das kirchliche Arbeitsrecht dringend reformiert werden. Außerdem forderte er das Ende des Verbots der Blutspende für homosexuelle Männer und einen "Nationalen Aktionsplan gegen Homo- und Transphobie".

Der Christopher Street Day in Stuttgart, bei dem für die Toleranz von Homosexuellen geworben wird, geht noch bis zum 30. Juli und steht unter dem Motto "Perspektivwechsel". Höhepunkt ist die CSD-Parade am Samstag, 29. Juli, zu der mehr als 5.000 Teilnehmende und 200.000 Besucher erwartet werden.