Wechsel im Vatikan im Zeichen der Kontinuität

Kardinal Gerhard Ludwig Müller steht am 02.07.2017 in Mainz (Rheinland-Pfalz) im Dom.

Foto: dpa/Andreas Arnold

Das Mandat von Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation wird nicht verlängert.

Zur Überraschung der Beobachter hat Papst Franziskus die Amtszeit von Kardinal Müller als Chef der Glaubenskongregation nicht verlängert. Doch der neue Chef der Glaubensbehörde, der Spanier Ladaria gilt ebenfalls als konservativ.

Der plötzliche Wechsel an der Spitze der vatikanischen Glaubenskongregation wird als Machtwort von Papst Franziskus gegen die Kritiker seiner Reformen angesehen, zum Beispiel im Umgang mit heutigen Familienstrukturen und beim Mitspracherecht von Bischöfen. Doch der Nachfolger von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Erzbischof Luis Francisco Ladaria Ferrer, gilt als ebenso konservativ wie sein Vorgänger.

Inhaltliche Veränderungen bei der Ausrichtung der Behörde, die über die Glaubensinhalte wacht, sind daher von Ladaria nicht zu erwarten. Der 2008 vom damaligen Papst Benedikt XVI. zum Sekretär und damit zweiten Mann in der Glaubenskongregation ernannte Jesuit pflegt jedoch einen anderen Stil: Im Unterschied zu Müller tritt er kaum in der Öffentlichkeit auf. Umso weniger vertritt der 73-Jährige in Interviews Auffassungen, die den Positionen des Papstes zuwider laufen.

Neuer Präfekt der Glaubenskongregation ist zurückhaltender als sein Vorgänger

Am Freitagabend war bekanntgeworden, dass Papst Franziskus das fünfjährige Mandat Müllers als Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation, das am Sonntag endete, nicht verlängert. Als mögliche Gründe für die überraschende Entscheidung gelten Müllers öffentlicher Widerstand gegen eine Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion und der mangelnde Fortschritt bei der Ahndung von Missbrauchsvergehen. Die Irin Marie Collins war zuletzt aus Protest gegen die schleppende Aufarbeitung pädophilier Vergehen von Priestern durch die Glaubenskongregation aus der päpstlichen Kinderschutzkommission ausgetreten.

Ladaria ist als langjähriger Sekretär der Kongregation auch damit vertraut. Die italienische Tageszeitung "La Repubblica veröffentlichte jetzt ein Schreiben von 2012, in dem er mit dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation William Levada, anordnet, die Nachricht von der Entlassung eines pädophilien Geistlichen aus dem Priesterstand nicht zu verbreiten. Es solle kein "Skandal unter den Gläubigen" erregt werden. Der entlassene Geistliche missbrauchte danach als Trainer einer Fußballmannschaft in einem Dorf in Süditalien mehrere Minderjährige.

Kirchenvertreter sind nicht dazu verpflichtet, Kindesmissbrauch an die Behörden zu melden. Diese Regelung soll den Schutz der Opfer gewährleisten, deren Einvernehmen bei einer Meldung an zivile Behörden einzuholen ist. Andererseits begünstigt sie die früher gängige Praxis, Missbrauchsfälle zum Schutz des guten Rufs der katholischen Kirche nicht zu melden - und damit weitere Verbrechen in Kauf zu nehmen.

Nicht als Verfolger von sexuellem Missbrauch sondern als Theologe ist Ladaria bei der Leitung einer Kommission gefragt, die seit 2016 im Auftrag des Papstes die Rolle des Frauendiakonats in der Kirchengeschichte untersuchen soll. Kardinal Müller schloss die Einführung eines solchen Amtes in der katholischen Kirche kategorisch aus. Unter Ladarias Federführung wurde in der Vergangenheit jedoch bereits die Lehre über den Limbus reformiert, wonach nun auch ungetauft gestorbene Kinder in den Genuss des göttlichen Heils kommen.

Obwohl der auf Mallorca geborene Ladaria ebenso wie Papst Franziskus dem Jesuitenorden angehört, ist nicht bekannt, wie gut der 73-Jährige das sieben Jahre ältere Kirchenoberhaupt persönlich kennt. Ladaria gilt als äußerst zurückhaltend und wird als Theologieprofessor an der päpstlichen Gregoriana-Universität geschätzt. Er trat nach dem Jurastudium in den Jesuitenorden ein. Theologische Studien absolvierte er auch an der Frankfurter Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen.