Lutheraner-Präsident: Wahre Fluchtursachen offenlegen

Der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), der nigerianische Erzbischof Musa Panti Filibus, ruft anlässlich des Weltflüchtlingstages am Dienstag (20. Juni) die Vereinten Nationen auf, energischer gegen den Terror der islamistischen Organisation Boko Haram im Nordosten Nigerias und gegen andere globale Konflikte vorzugehen.

Ein intensiver "diplomatischer Dialog" müsse die humanitäre Hilfe begleiten, sagte der rund 74 Millionen lutherische Christen repräsentierende Theologe dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zudem müssten die "wahren Ursachen" von Flucht und Migration in der Welt offengelegt werden. 

Filibus beklagte, dass die bei den "Auseinandersetzungen in Nigeria benutzten Waffen nicht in Nigeria hergestellt werden". Das zeige, das andere internationale Kräfte an diesem Konflikt beteiligt sind, fügte der Erzbischof hinzu. Der Einfluss dieser Kräfte müsse von den Vereinten Nationen sowie allen Verantwortlichen in den Regierungen der Welt gestoppt werden: "Eine Ende des Einfuhrs gefährlicher Waffen ist der Schlüssel für ein Ende von Gewalt und Konflikt in Nigeria."

"Verdeckte Mächte" müssten benannt werden

Das Erzbistum des im Mai zum LWB-Präsidenten gewählten Filibus liegt im Nordosten Nigerias. Die Region wird seit Jahren von der Terrororganisation Boko Haram heimgesucht. Mehr als zwei Millionen Menschen sind vertrieben worden, die Zivilbevölkerung ist Opfer von Gräueltaten, viele Menschen sind nun vom Hungertod bedroht.

"Der Boko Haram Krieg besteht nicht einfach aus arbeitslosen Jugendlichen, die zu den Waffen greifen", sagte Erzbischof Filibus dem epd. Die "verdeckten Mächte", die den Konflikt anheizten, müssten benannt werden. 

"Die internationale Gemeinschaft muss diese Kräfte, inklusive der illegalen, gefährlichen Waffenlieferungen, offenlegen", fügte Erzbischof Filibus hinzu. Der Boko Haram-Konflikt sei nicht allein ein Problem Nigerias. Es gebe "vielfältige Akteure auf der internationalen Ebene, die in diesem Konflikt engagiert sind".

Der frischgewählte Lutheraner-Präsident plädiert für einen ökumenischen Dialog, der Muslime und Juden miteinschließt. An die Mitglieder des Lutherischen Weltbundes appelliert Filibus, sich "weiterhin unermüdlich für Schutzsuchende in Zusammenarbeit mit anderen christlichen und muslimischen Gemeinschaften" einzusetzen. 

Der LWB engagiere sich seit dem Zweiten Weltkrieg für Flüchtlinge, so Filibus: "Jedermann der die Möglichkeiten hat, den Fremden willkommen zu heißen, hat den Auftrag dies zu tun. Fremde willkommen heißen ist das zentrale Prinzip christlichen Handelns." 

Der Lutherische Weltbund (LWB) ist eine weltweite Gemeinschaft von lutherischen Kirchen. Er wurde 1947 gegründet und zählt 145 Mitgliedskirchen in 98 Ländern weltweit, denen mehr als 74 Millionen Christen angehören. Erzbischof Filibus ist geistliches Oberhaupt der 1,9 Millionen Mitglieder der "Lutheran Christian Church of Nigeria" mit über 2.400 Gemeinden weltweit mit Sitz in Numan im Bundesstaat Adamawa im Nordosten Nigerias.