Käßmann warnt vor Pauschalverdacht gegen konvertierte Flüchtlinge

Theologin Margot Käßmann

Foto: dpa/Daniel Karmann

Theologin Margot Käßmann

Die Theologin Margot Käßmann hat vor einem Pauschalverdacht gegenüber Flüchtlingen gewarnt, die zum Christentum konvertieren wollen. Die allermeisten Menschen gingen diesen Schritt "aus tiefster Überzeugung", schrieb Käßmann in der "Bild am Sonntag".

Ein afghanischer Asylbewerber hatte am 3. Juni in einer bayerischen Flüchtlingsunterkunft einen fünfjährigen Jungen erstochen. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen. Der verurteilte Straftäter war vor Jahren zum christlichen Glauben übergetreten und hatte sich mit diesem Argument erfolgreich gegen eine Abschiebung nach Afghanistan gewehrt.



Die frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) erklärte, bei Anhörungen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) werde "die Glaubwürdigkeit solcher Konversionen immer wieder intensiv infrage gestellt. Ein Amt kann aber nicht den Glauben testen."

Zwar gebe es Menschen, die nicht aus Glaubensüberzeugung Christen würden, sondern weil sie sich einen Vorteil davon erhofften - das gebe es auch etwa, wenn sie in einer kirchlichen Einrichtung angestellt werden wollten. "Das darf aber nicht zur Konsequenz haben, dass wir allen misstrauen, die getauft werden wollen", mahnte Käßmann. Flüchtlinge würden auch nicht "einfach mal so" getauft. "Wenn jemand ein Taufbegehren äußert, gibt es Taufunterricht, ein ausführliches Taufgespräch und schließlich die Taufe."