"Ich wollte früher Pfarrerin werden"

Interview mit Moderatorin Katrin Bauerfeind zur ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?"
Katrin Bauerfeind im Gespräch mit Rainer Dabrowski, ehemaliger Gefängnispfarrer JVA Berlin Tegel.

Foto: MDR/Manuel Graubner

Katrin Bauerfeind im Gespräch mit Rainer Dabrowski, ehemaliger Gefängnispfarrer JVA Berlin Tegel.

Alles eine Frage des Glaubens: In der ARD-Themenwoche "Woran glaubst Du?" geht es von 11.6. bis 17.6. um verschiedene Aspekte von Religion und Ethik. Einer der Höhepunkte der Themenwoche ist Katrin Bauerfeinds Reportage "Bauerfeind recherchiert: Woran glaubst Du?" (16.6., 00.00 Uhr, ARD). Für ihren Beitrag ist die 34-jährige Moderatorin durch Deutschland gereist und hat sich mit ganz unterschiedlichen Menschen darüber unterhalten, an was sie glauben – oder eben nicht.

Frau Bauerfeind, wie halten Sie es mit der Religion?

Katrin Bauerfeind: Ich bin guter Durchschnitt. Ich bin evangelisch getauft, meine Eltern haben mir abends mal ein Märchen oder eine biblische Geschichte vorgelesen. Ich bin konfirmiert worden, wobei die Geldgeschenke natürlich das aufregendste waren (lacht). In den letzten Jahren konnte ich mit Kirche dann nicht mehr so viel anfangen und bin deshalb konsequenterweise ausgetreten.

Das machen viele.

Bauerfeind: Genau, bei sehr vielen Leuten in Deutschland ist es ähnlich, aber trotzdem ist Religion oder Spiritualität für die meisten noch ein Thema. Das war für mich auch die Basis für die Reportage "Bauerfeind recherchiert: Woran glaubst du?" für die ARD-Themenwoche. Für den Beitrag habe ich Menschen getroffen, die mit mir über ihren Glauben gesprochen haben. Das war eine spannende Reise.

"Man probiert vieles aus ohne irgendwo Mitglied zu werden"

Stimmt es, dass Sie mal Theologie studieren wollten?

Bauerfeind: Stimmt. Ich hatte einfach einen tollen Religionslehrer, der uns beigebracht hat, dass die Auseinandersetzung mit den großen Fragen im Leben toll sein kann und man dennoch kritisch hinterfragen darf, ob die Welt wirklich von Gott erschaffen wurde. Ich sah mich also schon auf einer Kanzel predigen, stattdessen ist es das Fernsehen geworden. Das ist aber auch nicht schlecht.

An was glauben Sie?

Bauerfeind: Ich habe wie so viele mittlerweile eine Art Wohlfühl-Glaube. Da mixt man, was einem gerade brauchbar erscheint. Bisschen Yoga oder Meditation, und das Universum soll machen, dass es diese tollen Schuhe in dem einen Laden noch in meiner Größe gibt. Meine Cousine lässt sich die Haare nach dem Mondkalender schneiden und da kann was dran sein, denn die hat tolle Haare. Der Mond kann Ebbe und Flut, da wird er wohl auch Haare können...Ist ein bisschen wie im Fitnesscenter: Man probiert vieles aus ohne irgendwo Mitglied zu werden.

Glauben Sie an eine göttliche Macht?

Bauerfeind: Ja, wenn's hilft auch das. Das hat aber keinen Namen und ist eher so ein X.

Also sind Sie kein Atheist?

Bauerfeind: Nein, nicht streng genommen. Ich habe für die Reportage mit einem Atheisten gesprochen, der sagt, dass Kirche und Staat strikt getrennt werden sollten, weil es nicht einzusehen ist, warum alle das spirituelle Hobby einer immer kleiner werdenden Gruppe mit Steuergeldern finanzieren sollten. Da kann man mal drüber nachdenken.

Was finden Menschen heutzutage noch an Religion?

Bauerfeind: Den meisten Leuten, die ich für die Reportage getroffen habe, ging es weniger darum, ob im Himmel einer sitzt, sondern um eine Gemeinschaft, darum, anderen zu helfen oder sich selbst. Woher das Angebot dafür kommt, ist vielen nicht mehr so wichtig, kann aber natürlich auch Religion sein. Und eine Religionswissenschaftlerin sagte mir, es gehe den Menschen vor allem auch um Identifikation und Trost, zum Beispiel, dass nach dem Tod noch etwas kommt...

Glauben Sie ans Leben nach dem Tod?

Bauerfeind: Nein, ich glaube nicht, dass es weitergeht. Ich glaube man stirbt und das war's. Fertig und endlich Ruhe im Bums.

Sie haben für den Beitrag mit Gläubigen und Ungläubigen, Christen, Moslems und Atheisten gesprochen. Wer hat Sie am meisten beeindruckt?

Bauerfeind: Ich habe einen Knastpfarrer getroffen, der 24 Jahre in der JVA Tegel gearbeitet hat. Für die Gefangenen bedeutet der Pfarrer im Knast zum einen, sie können raus aus ihrer Zelle und bei ihm gibt's Tabak. Das heißt, man ist im Grunde so etwas wie der Weihnachtsmann und es geht weniger um Gott oder Religion. Er sei ganz idealistisch gestartet und wollte die Welt retten, musste am Ende aber feststellen, es ist viel erreicht, wenn er den Gefangenen vermitteln kann, dass niemand mehr vor ihnen Angst haben soll, wenn sie wieder draußen sind. Das hat mich beeindruckt. Zumal ich früher selber mal Pfarrerin werden wollte.

Wie lange hatten Sie diesen Wunsch?

Bauerfeind: Ziemlich lange. Fünf Jahre hab ich bestimmt mit dem Gedanken gespielt. Von dem Tag, als meine Eltern zum ersten Mal sagten: "Kind, so langsam musst du wissen, was du willst", bis zum Tag, als ich dann doch angefangen habe Technikjournalismus zu studieren.

Sind Sie zufrieden damit, statt auf der Kanzel im Fernsehen gelandet zu sein?

Bauerfeind: Oh ja, vor allem weil es sowohl da als auch dort ja darum geht, gute Geschichten zu erzählen (lacht).