De Maizière: Kirchen überlassen Islam zu sehr dem Staat

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) fordert die Kirchen dazu auf, in der Öffentlichkeit mehr über den Islam zu diskutieren. Die Kirchen überließen den Islam zu sehr dem Staat, sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit": "Ich wünsche mir mehr kirchliche Wortmeldungen zu strittigen Fragen: was Christentum und Islam verbindet, wie ein aufgeklärter europäischer Islam aussehen soll und wo die Religionsfreiheit endet - auch die der Muslime."

In der Debatte seien die Kirchen selbst kaum aktiv. Beim Deutschen Evangelischen Kirchentag, der am Mittwoch in Berlin beginnt, diskutiere er mit dem Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität Ahmed al-Tayyeb: "Ich freue mich darauf. Aber wieso macht das eigentlich kein Theologe?", erklärte de Maizière. Der Scheich ist Groß-Imam der Al-Azhar-Moschee und Rektor der gleichnamigen Universität. Er gilt als höchste Autorität des sunnitischen Islam.

Der Innenminister kritisierte auch den Umgang der Kirchen mit Abschiebungen. "Beim Asyl machen es sich die Kirchen zu leicht." Er vermisse bei einigen Kirchenvertretern die volle Akzeptanz des Asylverfahrens. Ihnen fehle die Einsicht, dass sowohl Bleibendürfen als auch Gehenmüssen dazugehörten. Er begrüße aber den neuen Ton, den der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, anschlage: "Es kann nicht nur eine Willkommenskultur geben, sondern in einem Rechtsstaat muss es auch Akzeptanz für eine Abschiebekultur geben."

Der Minister übte auch Kritik am Kirchenasyl. "Wenn eine Abschiebung erfolgt, dann ist das nichts anders als der Vollzug geltenden Rechts - und keine Bosheit des Staates", unterstrich der CDU-Politiker. Wer das behaupte, mache es nicht nur Politikern, Richtern und Polizisten schwer, er stelle auch das ganze System infrage. Als Christ berührten auch ihn die oft schweren, individuellen Schicksale der Flüchtlinge. "Aber als Innenminister kann für mich nur das Gesetz gelten", erklärte de Maizière.