Bedford-Strohm verteidigt Dialog mit AfD-Vertretern auf Kirchentag

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Foto: epd-bild / Juergen Blume

Zugleich betonte der Repräsentant von über 22 Millionen Protestanten in Deutschland: "Wir wollen nicht Menschen, die sich von populistischen Aussagen angezogen fühlen, weiter in diese Richtung drängen, indem wir das Gespräch verweigern."

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verteidigt Diskussionen beim Evangelischen Kirchentag mit AfD-Vertretern ebenso wie einen Dialog mit Atheisten. "Es ist richtig, dass man Dialoge führt", sagte der Theologe dem Evangelischen Pressedienst. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) rechtfertigte die Entscheidung der Veranstalter, beim Kirchentag in der kommenden Woche eine AfD-Vertreterin auf der Bühne zu Wort kommen zu lassen.

"Ebenso wie der Kirchentag hat die EKD klar gemacht, dass sich Gesprächsbereitschaft nicht an irgendeiner Parteizugehörigkeit ausmacht, sondern an den Inhalten, die jeder einzelne vertritt", unterstrich Bedford-Strohm in einem epd-Gespräch. Eine rote Linie sei aber dort überschritten, "wo menschenfeindliche Einstellungen wie Rassismus oder Antisemitismus vertreten werden" oder der Nationalsozialismus vertreten oder verherrlicht werde. 



Zugleich betonte der Repräsentant von über 22 Millionen Protestanten in Deutschland: "Wir wollen nicht Menschen, die sich von populistischen Aussagen angezogen fühlen, weiter in diese Richtung drängen, indem wir das Gespräch verweigern." Von ebenfalls auf dem Kirchentag geplanten Diskussionen mit Atheisten erwartet der bayerische Landesbischof kritische Rückfragen, "wie wir uns als Christen in der Gesellschaft bewegen". 

Die Entscheidung des Kirchentags, anders als der Katholikentag im vergangenen Jahr AfD-Vertreter nicht grundsätzlich auszuschließen, hatte für Diskussionen gesorgt. In Berlin werden der Berliner Bischof Markus Dröge und die Publizistin Liane Bednarz mit Anette Schulter von der Vereinigung "Christen in der AfD" diskutieren.

Anziehungskraft von Rechtspopulismus innerhalb der Kirchen nicht unterschätzen

Bundesinnenminister de Maizière, der auch Mitglied des Kirchentagspräsidiums ist, sagte in einem epd-Gespräch: "Wir wollen nicht, dass in offener Weise Positionen vertreten werden, von denen wir glauben, dass sie gegen die Menschenwürde verstoßen." Es sei aber "Tradition des Kirchentags, andere Positionen auszuhalten". Das müsse auch für AfD-Vertreter gelten, sagte der CDU-Politiker. 

Der Minister warnte davor, die Anziehungskraft von Rechtspopulismus auch innerhalb der Kirchen zu unterschätzen. "In vielen und bestimmten Kreisen beider christlicher Kirchen gibt es leider auch Zustimmung zur AfD", sagte de Maizière dem epd.

Obama und Merkel beim Kirchentag

Der frühere US-Präsident Barack Obama, der am Donnerstag zum Kirchentag kommt, muss laut Bedford-Strohm mit kritischen Fragen zu seiner Amtszeit rechnen. "Es geht ja nicht nur darum, eine Bühne zu bieten", sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Er moderiert vor dem Brandenburger Tor gemeinsam mit Kirchentagspräsidentin Christina Aus der Au eine Diskussion mit Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über christliche Verantwortung in der Politik.

Zum Kirchentag in Berlin und Wittenberg werden von Mittwoch bis Sonntag mehr als 100.000 Dauerteilnehmende erwartet. Parallel dazu finden sechs sogenannte Kirchentage auf dem Weg in Städten Mitteldeutschlands statt. Der gemeinsame Abschlussgottesdienst in Wittenberg am Sonntag ist zugleich der Höhepunkt des Festjahres zum Reformationsjubiläum, mit dem die Protestanten den 500. Jahrestag des Thesenanschlags von Reformator Martin Luther (1483-1546) in Wittenberg feiern.