Die sechs regionalen "Kirchentage auf dem Weg"

Bunter Schilderwald mit Städtenamen

Foto: epd-bild/Jens Schulze

Viele Wege führen zu einem Kirchentag.

Parallel zum 36. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin und Wittenberg finden ab 25. Mai auch regionale "Kirchentage auf dem Weg" statt. Sechs Christentreffen sind geplant; sie finden in acht mitteldeutschen Städten statt. Sie münden, wie der Berliner Kirchentag, in den Abschlussgottesdienst am 28. Mai auf den Elbwiesen in Wittenberg. Die sechs "Kirchentage auf dem Weg" haben ausgehend von der jeweiligen Historie ihrer Veranstaltungsorte verschiedene thematische Ausrichtungen.

LEIPZIG (Sachsen): "Leipziger Stadtklang: Musik. Disput. Leben." lautet die Überschrift in der sächsischen Messestadt. Dort soll der größte der sechs "Kirchentage auf dem Weg" stattfinden. Gerechnet wird mit bis zu 20.000 Besuchern. An der Wirkungsstätte des Barockkomponisten Johann Sebastian Bach (1685-1750) und des weltberühmten Thomanerchores wird die Kirchenmusik einen besonderen Stellenwert haben. Erinnert wird auch an das legendäre Streitgespräch zwischen dem Reformator Martin Luther und dem katholischen Theologen Johannes Eck im Jahr 1519, das zum endgültigen Bruch zwischen Rom und den Lutheranern beitrug. Ein besonderes Veranstaltungsformat werden "Kneipengespräche" zu allen möglichen Themen der Gegenwart sein. Auch ergänzen der traditionelle Begegnungstag für Aussiedler und ein sächsisches Frauenmahl das Programm. Prominente Teilnehmer sind Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), der ehemalige Bundesentwicklungminister Erhard Eppler (SPD) Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) und der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm.

ERFURT (Thüringen): "Licht auf Luther" heißt es in der thüringischen Landeshauptstadt. Im Zentrum steht laut den Veranstaltern ein "Blitz, der Geschichte schrieb": Ein Gewitter-Erlebnis bei Stotternheim veranlasste Luther der Überlieferung nach zum Eintritt in das Erfurter Augustinerkloster. Auf diesen Spuren können Besucher des Erfurter Kirchentages pilgern oder - für Sportlichere - auch laufen. Andererseits wollen die Veranstalter mit dem Schwerpunkt "Evangelisch heute!" zeigen, was ostdeutsche Christen in der am stärkten säkularisierten Region weltweit zu sagen haben. Prominente Teilnehmer sind Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), Grünen-Bundestagsfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) und die Reformationsbotschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Margot Käßmann.

MAGDEBURG (Sachsen-Anhalt): "Sie haben 1 gute Nachricht", verspricht der Kirchentag in der sachsen-anhaltischen Landeshauptstadt. Magdeburg, das Kaiser Otto I. vor über 1.000 Jahren zu seiner Residenz erhob, gibt sich modern. Ein besonderes Veranstaltungsformat ist ein Twittergottesdienst. Er nimmt darauf Bezug, dass Magdeburg schon einmal Ort einer Medienrevolution war: Zahllose Flugschriften gegen Kaiser und Papst brachten der Stadt einst den Ehrentitel "Unser Herrgotts Kanzlei" ein. Auf der Elbe wird es eine abendliche Schiffsprozession geben. Viele Veranstaltungen finden in direkter Nähe zum Magdeburger Dom statt, dem ersten gotischen Sakralbau auf deutschem Boden. Prominente Gäste in der ersten protestantischen Großstadt sind Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der Linken-Politiker Gregor Gysi und der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

HALLE/EISLEBEN (Sachsen-Anhalt): "Zwei Städte für ein Halleluja" - so präsentieren sich Halle und das in besonderer Weise mit Martin Luther verbundene Eisleben den Besuchern. Der Geburts-, Tauf- und Sterbeort des großen Reformators lädt besonders zur Besichtigung authentischer Orte der Reformation ein, während die Händelstadt Halle das Podium für Diskussionen und Debatten bietet und Kunst und Kultur betont. Die Eröffnung der traditionellen Händelfestspiele ist in das Programm integriert, Kunstprojekte sollen den öffentlichen Raum erobern, Gospelgesang an zahlreichen Orten erklingen und die längste Kirchennacht Mitteldeutschlands beide Städte verbinden. In der Dorfkirche Holleben liest am Freitag "Tatort"-Kommissar Peter Sodann.

JENA/WEIMAR (Thüringen): "Nun sag, wie hast Du's mit der Religion?" lautet das Motto in Jena und Weimar. Damit wird Bezug auf die vielzitierte "Gretchenfrage" in Goethes "Faust" genommen. Die Klassikerstadt Weimar steht auch für Schiller, Herder und Nietzsche - und mit dem Konzentrationslager Buchenwald für einen der düstersten Orte deutscher Geschichte. Jena kontrastiert dazu als junge und wissenschaftsnahe Stadt, die Geistesgrößen wie Hegel und Fichte hervorgebracht hat. Die Verbindung zwischen Glaube und Wissen soll in beiden Städten bei einer Vielzahl von Veranstaltungen erkundet werden. In der Klassikerstadt diskutieren zudem verschiedene Träger des Weimarer Menschenrechtspreises, in Jena neben anderen Pfarrer Friedrich Schorlemmer und Klaus Seitz von "Brot für die Welt".

DESSAU-ROSSLAU (Sachsen-Anhalt): "Forschen. Lieben. Wollen. Tun." heißt es beim kleinsten der regionalen Kirchentage. Das Motto für Dessau-Roßlau nimmt Bezug auf ein Wort des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn, der in Dessau geboren wurde. In der Bauhausstadt wird es unter anderem ein "Anhaltmahl" geben - Kirchengemeinden der kleinsten evangelischen Landeskirche Deutschlands bitten dabei am Himmelfahrtstag abends zu Tisch. Über das "Leben in einer multikulturellen Gesellschaft" wird unter anderem mit Ahmed Abd-Elsalam vom Zentrum für Islamische Theologie in Münster und dem Dresdner Rabbiner Alexander Nachama diskutiert. Außergewöhnlich ist ein "Schlafsackgottesdienst", bei dem ein späte Andacht befreit vom Stress des Tages auf Decken und Schlafsäcken verfolgt werden kann. Die Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff liest zudem "Das Pfingstwunder".

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