Mannheim begrüßt Naidoos Distanzierung von Rechtspopulismus

Mannheim begrüßt Naidoos Distanzierung von Rechtspopulismus
Die Stadt Mannheim hat Xavier Naidoos Distanzierung von rechtspopulistischem Gedankengut begrüßt. Ein Statement des Sängers bei Facebook zeige, dass die "Söhne Mannheims" der "Inanspruchnahme durch demokratiefeindliche Rechtspopulisten widersprechen und sich zum Grundgesetz" bekennen würden, teilte die Stadt am Dienstag mit.

Der Text des Songs "Marionetten" sei "im Rahmen einer künstlerischen Auseinandersetzung bewusst überzeichnet", schrieb der Sänger. Zugleich räumte er ein, der Inhalt möge missverständlich gewesen sein.

Kritiker hatten bemängelt, das Werk befeuere Verschwörungstheorien und nehme Bezug auf Theorien der sogenannten Reichsbürger und von Rechtspopulisten. Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) hatte die Band für Montagabend zum Gespräch geladen. Der Politiker verlangte Aufklärung zu "antistaatlichen Aussagen" in den Texten. In dem Song werden beispielsweise "Volksvertreter" als "Volks-in-die-Fresse-Treter" bezeichnet, die wie Marionetten von "dunklen Mächten" gesteuert würden. "Und wenn ich nur einen in die Finger bekomme, dann zerreiß ich ihn in Fetzen", heißt es weiter.

Viele Radiosender spielen "Marionetten"-Song nicht

Das Stück rufe zu Selbstjustiz auf und verneine im Kern die Unabhängigkeit demokratisch gewählter Parlamente, kritisierte der Chef der Welle "Bremen Vier", Helge Haas, am Sonntag auf der Internetseite des Senders. Der Sender sagte die Präsentation eines Konzerts der "Söhne Mannheims" ab. NDR2 prüfe ein ähnliches Vorgehen, teilte die Rundfunkanstalt auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit.

Der Südwestrundfunk (SWR) spiele den umstrittenen Song auf keiner seiner Hörfunkwellen, sagte SWR-Sprecherin Anja Görzel dem epd. "Derzeit ruhen die Songs von Naidoo", sagte Görzel. Es gebe viele aktuellere deutsche Titel. Auch die Wellen des NDR, BR, HR, das hessische Hitradio FFH, Radio Bremen und der RBB haben "Marionetten" nicht im Programm. Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) berät nach eigenen Angaben aktuell über den Umgang mit Naidoos Musik.

Naidoo versicherte: "Die 'Söhne Mannheims' und ich stehen für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft, in der viele Kulturen gemeinsam zusammenleben." Beim Schreiben der Texte flössen "sicherlich Erfahrungen und Beobachtungen aus meinem erlebten Alltag in der Gesellschaft" mit ein. "In diesen Momenten verschwende ich keinen einzigen bewussten Gedanken darauf, wohin mich die Reise wohl führen mag", erklärte Naidoo.

Der Sänger sah sich in der Vergangenheit schon mehrmals mit dem Vorwurf konfrontiert, seine Musik enthalte rechtspopulistisches Gedankengut. Vor dem Eurovision Song Contest 2016 wurde dem Sänger vorgeworfen, in Liedern gegen Juden und Homosexuelle zu hetzen. Der NDR wollte den Sänger für Deutschland zu dem Wettbewerb schicken. Nach einer Protestwelle nahm der Sender die Entscheidung wenig später wieder zurück.