Reformierte: Kirchenasyl darf kein Wahlkampfthema werden

Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche hat davor gewarnt, das Kirchenasyl und den christlichen Beistand für Flüchtlinge zum Wahlkampfthema zu machen. Ein Kirchenasyl erwachse "aus der Pflicht zur christlichen Nächstenliebe im konkreten Notfall", heißt es in einer Resolution, die das Kirchenparlament am Samstag in Emden verabschiedete.

Es diene weder einer politischen Positionierung noch als Mittel zur Änderung der Rechtsordnung. Bundesweit gab es im vergangenen Jahr knapp 700 Kirchenasyle. In den vergangenen Wochen wurde die Praxis des Kirchenasyls verstärkt kritisiert, besonders von bayerischen Landespolitikern. Delegierte des Bundesparteitags der rechtspopulistischen Partei AfD begründeten ihren Aufruf zum Kirchenaustritt am vergangenen Wochenende unter anderem mit der Gewährung von Kirchenasylen. Sie seien ein Zeichen für eine angeblich mangelnde Rechtstreue der Kirchen, sagte der Vorsitzende des AfD-Landesverbandes Niedersachsen, Armin Paul Hampel.

Die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz im ostfriesischen Leer zählt zu den kleineren der 20 Mitgliedskirchen innerhalb der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Zu ihren 145 Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu gehören knapp 177.000 Mitglieder. Die meisten Gemeinden gibt es im nordwestlichen Niedersachsen nahe der Grenze zu den ebenfalls reformiert geprägten Niederlanden. Die Wurzeln der Kirche liegen in der Schweizer Reformation des 16. Jahrhunderts. Zu ihren Vätern zählen die Reformatoren Ulrich Zwingli (1484-1531) aus Zürich und Johannes Calvin (1509-1564) aus Genf. Beide setzten auf eine radikale Erneuerung der Kirche.