Erfurter Schau rezipiert Luther-Ausstellungen des 20. Jahrhunderts

Die Luther-Rezeption zu Beginn und Ende des 20. Jahrhunderts steht von Sonntag an im Mittelpunkt einer Sonderausstellung des Erfurter Angermuseums.

Anhand zahlreicher Objekte werde auf den Umgang der Stadt mit der 400. Wiederkehr der Reformation 1917 sowie die Feierlichkeiten zum 500. Geburtstag des Reformators Martin Luther 1983 in der DDR verwiesen, sagte Museumsdirektor Kai-Uwe Schierz am Donnerstag. "Luther - Der Auftrag" ist bis zum 18. Juni zu sehen.

Die reine Rückschau auf frühere Ausstellungen und der Verzicht auf eine eigene Schau im Rahmen des 500. Reformationsjubiläums werden in Erfurt dabei durchaus kritisch gesehen. Erfurt werde so der Verpflichtung als "Lutherstadt" nicht gerecht, lautet einer der Vorwürfe. Erfurts Kulturdirektor Tobias Knoblich verteidigte diesen Ansatz mit Verweis auf die begrenzten Ressourcen der Kommune. Auch gebe es einen gewissen Überbietungswettbewerb in Deutschland zum Thema 500 Jahre Reformation.

Museumsdirektor Schierz verwies auf die auch finanziellen Anstrengungen, die für die Ausstellungen 1917 und 1983 unternommen wurden. So sei der Kunsthistoriker Edwin Redslob 1915/16 auf der Suche nach Luther-Stücken durch ganz Deutschland gereist. Seine etwa 1.000 Erwerbungen, neben Holzschnitten und Kupferstichen auch zahlreiche Bücher und einige Devotionalien, hätten den Grundstock für die Erfurter Luther-Sammlung gelegt. Pläne, sie in einem eigenen "Luther-Saal" in einem Erfurter "Universalmuseum" zu zeigen, scheiterten allerdings. Daran erinnern in der aktuellen Ausstellung erste Entwürfe von Henry van de Velde.

Auch 1983 sei Erfurt ein wichtiger Ort der staatlichen Luther-Ehrung gewesen. In der damaligen Ausstellung wurden "historische Exponate in einen Dialog mit zeitgenössischer Kunst gesetzt - eine Besonderheit, die damals für große Aufmerksamkeit sorgte", so Schierz. Aus der Zeit stammten auch Bilder von Heinz Zander, die im Auftrag der Stadt und der DDR-Regierung entstanden. Der Zyklus das "Tolle Jahr von Erfurt" und das "Luther-Triptychon" sind in der aktuellen Ausstellung zu sehen. Eine im gleichen Jahr von der evangelischen Kirche organisierte Schau sei dagegen "nur kursorisch" vertreten, so Schierz. Ein Teil der Erfurter Luthersammlung wie der Schreibkasten des Reformators sind dagegen nur in den Nationalen Sonderausstellungen auf der Wartburg und in Wittenberg zu sehen.

Martin Luther (1483-1546) hat fast ein Jahrzehnt in Erfurt verbracht, zunächst ab 1501 als Student der Universität und nach seinem Eintritt 1505 in das Augustinerkloster als Mönch. Erst 1511 siedelte Luther endgültig nach Wittenberg über.

aus dem chrismonshop

Das chrismon-Familienjahrbuch
Warum beginnt das Kirchenjahr im Dezember? Wie nennen die Astronomen den Morgenstern? Und wie geht noch mal das berühmte Lied dazu? Das neue Jahrbuch für Familien mit kleinen...