Kommunikationswissenschaftlerin: "Digitaler Rat" gegen Fake News

Einen "Digitalen Rat" analog zum bereits existierenden Presserat hat die Kommunikationswissenschaftlerin Marlis Prinzing gefordert.

Dieser müsse als Selbstregulierungsorgan Empfehlungen und Orientierungen für Internetangebote geben, sagte sie am Mittwoch in Fulda auf dem Hessischen Gesprächsforum Medien. Die Veranstaltung stand unter dem Motto "Papst lobt Trump oder wenn Fakten frei erfunden sind." Zu dem Gesprächsforum hatte die Hessische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien eingeladen.

Angesichts der Zunahme von Fake News in digitalen Medien sei darüber hinaus eine Stärkung der politischen Bildungsarbeit und der Medienkompetenz an Schulen nötig, forderte die Professorin für Journalistik an der Macromedia Hochschule in Köln. Man habe es mit einer "Kultivierung der Lüge" zu tun, wenn heute offen von "alternativen Fakten" gesprochen werden dürfe.

Michael Bußer, Staatssekretär und Sprecher der Hessischen Landesregierung, äußerte sich skeptisch gegenüber dieser Forderung. "Druck erzeugt Gegendruck", zeigte er sich von einer bereits einsetzenden digitalen Aufklärung überzeugt. Jeder habe zudem die Möglichkeit, sich selbst zu informieren und müsse daher nicht auf Fake News hereinfallen. Auf keinen Fall dürfe angesichts der gegenwärtigen Situation die Pressefreiheit eingeschränkt werden. Bußer räumte allerdings ein, dass Rolle und Wirkung der Medien im Schulunterricht bisher zu wenig Berücksichtigung fänden.

Matthias Walter, Chefredakteur von RTL2 News, beklagte ebenfalls eine dramatische Unwissenheit bei Schülern in Bezug auf die Arbeitsweise von Journalisten. Er warnte davor, Fake News zu unterschätzen. In den USA und in Großbritannien hätten diese bei den Wahlentscheidungen eine möglicherweise entscheidende Rolle gespielt.