EKD-Sportbeauftragter: BVB-Spielern nach Anschlag mehr Zeit geben

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus der Fußballprofis von Borussia Dortmund kritisiert der Sportbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Volker Jung, dass das Team nur einen Tag danach wieder spielen musste.

"Man hätte den Spielern mehr Zeit geben sollen", sagte Volker Jung dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag. "Sie haben eine Ausnahmesituation erlebt. Viele haben sicher so etwas wie Todesnähe gespürt. Es braucht Zeit, um damit umzugehen."

Es sei fraglich, ob ein fairer Wettbewerb möglich gewesen sei, erläuterte Jung. "Die psychische Konstitution ist ein wesentlicher Faktor für die Leistungsfähigkeit. Die Dortmunder Spieler waren sicher viel stärker belastet als die gegnerische Mannschaft." Nach einem existenziell bedrohlichen Erlebnis brauchten Menschen Zeit, um einen Weg des Umgangs damit zu finden. "Das hätte den Verantwortlichen bewusst sein sollen", sagte Jung, der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau ist.

"Man hätte die Spieler fragen müssen, wie es ihnen geht"

Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus am Dienstagabend war das Champions-League-Heimspiel von Borussia Dortmund lediglich um einen Tag verschoben worden. Am Mittwochabend unterlag der BVB mit 2:3 gegen AS Monaco.

Dortmunds Trainer Thomas Tuchel kritisierte die Ansetzung der Partie nach dem Spiel deutlich. Er und die Mannschaft seien zu keiner Zeit gefragt geworden, sagte Tuchel.  Als er von der Neuansetzung erfahren habe, sei noch gar nicht klar gewesen, welches Ausmaß der Anschlag hatte. Das habe ihm ein "Gefühl der Ohnmacht" gegeben. Bei der Mannschaft und ihm habe sich das Gefühl festgesetzt, dass sie nur zu funktionieren hätten.

Jung sagte, es wäre sehr wichtig gewesen, vor der Ansetzung persönlich mit den Betroffenen zu sprechen. "Ich kann mich nur darüber wundern, dass das offenbar nicht geschehen ist. Man hätte die Spieler fragen müssen, wie es ihnen geht, und sie in die Entscheidung, wann wieder gespielt wird, einbeziehen sollen." Das hätte einem Gefühl der Ohnmacht sicher entgegengewirkt, fügte Jung hinzu.

Grundsätzlich sei es wichtig, auch nach einem Anschlag mit dem Alltag weiterzumachen, sagte Jung. "Aber auch im Spitzensport müssen Grenzen der Menschen anerkannt werden." Aus seiner Sicht wäre es kein Signal des Einknickens vor Terrorismus gewesen, wenn das Spiel um einige Tage verschoben worden wäre. "Es wäre richtig gewesen, eine Zwischenlösung zu suchen. Es steht ja nicht zur Debatte, gar nicht mehr zu spielen."

Am Dienstagabend war ein Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt worden. Auf dem Weg zum Stadion detonierten nach Angaben des Generalsbundesanwalts drei Sprengsätze, die hinter einer Hecke abgelegt gewesen seien. Es sei von einem "terroristischen Hintergrund" auszugehen, erklärte der Generalbundesanwalt. Der Dortmunder Abwehrspieler Marc Bartra wurde verletzt.