TV-Tipp: "Donna Leon: Tod zwischen den Zeilen" (ARD)

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TV-Tipp: "Donna Leon: Tod zwischen den Zeilen" (ARD)
13.4., ARD, 20.15 Uhr: "Donna Leon: Tod zwischen den Zeilen"
Im Herbst 2000 hat die ARD den ersten von mittlerweile 23 Venedig-Krimis nach den Brunetti-Romanen von Donna Leon gezeigt. Seit Fall Nummer fünf ("Venezianisches Finale", 2003) werden der Commissario und seine Frau von Uwe Kockisch und Julia Jäger verkörpert, aber ansonsten hat sich nicht viel geändert. Das mag man bemängeln, aber es gibt garantiert viele Zuschauer, die das schön finden, erst recht, wenn eine Episode so sonnig ist wie "Tod zwischen den Zeilen".

Zwischendurch waren die Adaptionen auch mal ziemlich düster, und das in jeder Hinsicht, aber diesmal dürfen Regisseur Sigi Rothemund, der mit Ausnahme der ersten beiden sämtliche Filme der Reihe gedreht hat, und sein Stammkameramann Dragan Rogulj die "Serenissima" wieder von ihren schönsten Seiten zeigen. Prompt wirken die sonnendurchfluteten Urlaubsbilder wie ein Rückfall in die Anfangszeit, als die Reihe Venedig als Sehnsuchtort inszenierte. Auch die Geschichte ist längst nicht so deprimierend wie diverse andere Werke Donna Leons. Natürlich muss Brunetti wie stets einen Mordfall aufklären, und erneut sind die besten Kreise beteiligt, doch es gibt weder finstere Komplotte noch organisiertes Verbrechen.

Dafür beginnt der Film mit einem ungewöhnlichen Prolog: Im Jahr 1587 wird ein Mann gemeuchelt, der beste Aussichten hat, der nächste Doge von Venedig zu werden. Die Identität des Mörders bleibt zunächst unklar, aber 430 Jahre später zieht die Untat offenbar eine weitere nach sich, als ein ehemaliger Priester brutal zu Tode getreten wird. Die erste Spur führt Brunetti in die ehrwürdige Biblioteca merula. Dort stellt sich raus, dass der tote Theologe in den Diebstahl bestimmter Seiten aus uralten Beständen verwickelt war. Aus Furcht vor den einflussreichen Gönnern der Bibliothek, allen voran die mächtige Familie Morosini-Albani, hat die Bibliotheksleiterin (Jenny Schily) den Diebstahl verschwiegen. Prompt muss Brunetti bei der Clan-Patriarchin (Michaela Rosen) vorsprechen. Die Familie hat einst viele Dogen gestellt; der Sohn der Contessa, Gianni Morosini-Albani (Harald Schrott), gilt als designierter Bürgermeister der Lagunenstadt, und selbstredend macht sich Brunetti den arroganten Kandidaten umgehend zum Feind.

Tempo und Action gehörten noch nie zum Markenkern der Donna-Leon-Verfilmungen, aber hier scheint sich Rothemund vorgenommen zu haben, den Film bewusst altmodisch zu inszenieren. Dazu passen auch die Stadtbilder. Der morbide Reiz Venedigs liegt im Verfall: Man kann der Stadt beim Sterben zuschauen, was sich hin und wieder auch die Filme zu eigen gemacht haben. Davon kann bei "Tod zwischen den Zeilen" keine Rede sein; stattdessen erfreut Rogulj mit einer Vielzahl wunderschön anzuschauender Postkartenmotive. Entsprechend harmonisch geht es auch im zwischenmenschlichen Bereich zu: Das Ehepaar Brunetti begegnet sich mit viel Respekt und Herzlichkeit, der nervige Streber Alvise (Dietmar Mössmer) wirkt beinahe sympathisch, Signorina Elletra (Annett Renneberg) strahlt den Commissario auf eine Art an, die an Liebe grenzt, und selbst der sonst gern mal windelweiche Vice-Questore Patta (Michael Degen) beweist gegenüber den Morosini-Albanis Rückgrat.

All das klingt nicht nach einem spannenden Krimi, und das ist "Tod zwischen den Zeilen" in der Tat nicht, jedenfalls nicht, wenn man Nervenkitzel als Maßstab nimmt. Aber Rothemunds unaufgeregter Stil entspricht der Geschichte (es ist das siebte Drehbuch des Duos Stefan Holtz und Florian Iwersen für die Reihe), selbst wenn die anfangs sehr präsente und nach großem Kino klingende Musik von Stefan Schulzki zunächst einen Abenteuerfilm verspricht. Fortan aber scheinen die exquisiten Schauplätze mindestens so wichtig wie Brunettis Ermittlungen; einige Drehorte wirken, als sei die Anwesenheit eines Filmteams nur in großen Ausnahmefällen geduldet. Diese Betonung der Schauwerte schließt auch die Schauspieler mit ein. Die Mitwirkung August Zirners zum Beispiel beschränkt sich auf wenige Augenblicke. Er verkörpert einen amerikanischen Historiker, der nach dem Tod des Theologen um sein Leben fürchtet und Brunetti schließlich den entscheidenden Hinweis zur Lösung des Mordfalls gibt. Sicherlich spielt bei solchen Mini-Engagements auch die nicht zu verachtende Dienstreise nach Venedig eine Rolle, aber der gute Ruf der Reihe wird ebenfalls seinen Anteil haben. Das gilt auch für die Beliebtheit beim Publikum: "Donna Leon" ist klassisches öffentlich-rechtliches Fernsehen aus längst vergangenen Tagen: kein Sex, keine Gewalt, keine unangenehmen Überraschungen, dafür hin und wieder eine Botschaft (diesmal jedoch nicht). Das kann man kritisieren und langweilig finden, und in der Tat ist es nicht sonderlich einfallsreich, wenn Rothemund Brunetti und seinen treuen Vianello (Karl Fischer) immer wieder durch Gassen und über Brücken schreiten lässt oder die beiden mit ernsten Gesichtern im Polizeiboot zeigt; aber viele Zuschauer mögen genau diese Berechenbarkeit.