Christliche Politiker sollten stärker zu ihrem Glauben stehen

Christliche Politiker sollten stärker zu ihrem Glauben stehen
Christliche Politiker sollten nach Meinung des Präsidenten der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), Christopher Hill, in der Öffentlichkeit stärker zu ihrem Glauben stehen.

Man könne zugleich Christ sein und Menschen anderer Überzeugung  willkommen heißen, sagte der anglikanische Bischof dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Brüssel und nannte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als gutes Beispiel. "Sie geht nicht als ein Kreuzfahrer", aber habe in der Flüchtlingspolitik auf ihre christlichen Werte gebaut und dies auch geäußert, urteilte Hill. Generell glaube er, "dass christliche Politiker, auch in meinem eigenen Land, irgendwie ängstlich sind, buchstäblich oder im übertragenen Sinn ein Kreuz zu tragen", sagte der Brite.

Hill rief zugleich die EU dazu auf, den Dialog mit den christlichen Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften zu verstärken. Dass die EU einen solchen Dialog pflegt, ist in Artikel 17 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU vorgesehen. Die Kirchen müssten daher "auf Arbeitsebene" einen besseren Zugang zur EU erhalten, verlangte Hill. So könnten sie konkreten Input beispielsweise zur Flüchtlingspolitik geben, sagte Hill. "Artikel 17 hat sein volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft." Kirchengemeinden existierten in ganz Europa und es gingen mehr Menschen in die Kirche als zu Parteiversammlungen oder zum Fußball, argumentierte der Bischof.

Die KEK ist ein europäischer Zusammenschluss protestantischer, anglikanischer, orthodoxer und altkatholischer Kirchen, darunter die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Bischof Hill war am Freitag zusammen mit dem Präsidenten der katholischen Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE), Reinhard Kardinal Marx, zu einem Gespräch bei EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.

Das drängendste Problem der EU sei die Frage der Migration, sagte Hill dem epd. Offenbar veranlasse "die tragische menschliche Situation" vieler Migranten populistische Politiker dazu, "die Karte der nationalen Identität zu spielen". Solche Strömungen gebe es nicht nur in östlichen EU-Ländern, sondern auch in Großbritannien, Deutschland oder Frankreich, urteilte Hill. Eine große Gefahr dabei sei es, wenn Islam und Islamismus als dasselbe dargestellt würden, warnte der Bischof.