Reformationsbotschafter Böhrnsen für gesellschaftliches Engagement

Bremens ehemaliger Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) hat dazu aufgerufen, "nach Kräften" Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen.

Bremens ehemaliger Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) hat dazu aufgerufen, "nach Kräften" Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Frei denken, frei glauben, frei leben - das sei das Freiheitsversprechen der Reformation, sagte der ehrenamtliche Reformationsbotschafter der Bremischen Evangelischen Kirche am Sonntag in einer Predigt. Doch seine Freiheit nur für sich und im Stillen zu genießen, "das geht nicht". Freiheit bedeute, Verantwortung zu übernehmen: "Für sich selbst, für den Nächsten und für die Gemeinschaft."

Böhrnsen predigte in der Bremer St.-Ansgarii-Kirche. Im Vorgängerbau hielt Heinrich von Zütphen (1488-1524) im Jahr 1522 die erste evangelische Predigt der Stadt. Böhrnsen sagte, mündige Christen und Bürger seien dazu aufgerufen, ihre Stimme zu erheben, wo Menschen und Freiheitsrechte mit Füßen getreten und wo Hass und Gewalt gepredigt würden. "Freiheit ist kein Naturgesetz. Freiheit ist ein wertvolles Gut, das immer wieder erkämpft und behütet werden muss." Böhrnsen rief auch dazu auf, für ein einiges, demokratisches und soziales Europa Flagge zu zeigen. "Es ist höchste Zeit, einen Kontrapunkt zu setzen zu den schrillen Tönen der europafeindlichen Rechtspopulisten."

Die evangelische Kirche feiert bis Oktober dieses Jahres 500 Jahre Reformation. Am 31. Oktober 1517 hatte Martin Luther (1483-1546) in Wittenberg seine 95 Thesen gegen die Missstände der Kirche seiner Zeit veröffentlicht. Der legendäre Thesenanschlag gilt als Ausgangspunkt der weltweiten Reformation, die die Spaltung in evangelische und katholische Kirche zur Folge hatte.