Neuer Bischof betont Weltoffenheit der Methodisten

Pastor Harald Rueckert aus Reutlingen steht in einer Kirche

Foto: epd-bild/Stephan Wallocha

Pastor Harald Rueckert aus Reutlingen ist der neue Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche

Die Evangelisch-methodistische Kirche kann nach den Worten ihres neuen Bischofs Harald Rückert dazu beitragen, den verengten Blick auf die eigene Nation zu weiten.

Die Methodisten bildeten eine weltweite Kirche, deren Gemeinden geprägt seien von internationalen Kontakten, sagte Rückert am Donnerstag in Hamburg. In einer Zeit der nationalen Abschottung könne sie helfen, "über den eigenen Tellerrand" hinauszublicken.

Der 58-jährige Theologe war am Mittwoch von der Zentralkonferenz in Hamburg gewählt worden und hatte sich gegen drei Mitbewerber durchgesetzt. Der Pastor aus Reutlingen ist Nachfolger von Bischöfin Rosemarie Wenner (61), die nach zwölf Jahren im Amt in den Ruhestand tritt. Feierlich eingeführt wird der neue Bischof am 19. März in einem ökumenischen Gottesdienst in der Hamburger Hauptkirche St. Petri. Seine erste Amtszeit beträgt vier Jahre.

"Ich bin und bleibe Pastor"

Im Zentrum seiner Arbeit als Bischof würden Gottesdienst und Seelsorge stehen: "Ich bin und bleibe Pastor", sagte Rückert. Innerhalb seiner Kirche wolle er die Ebenen besser vernetzen. Schlankere Strukturen könnten zu einem effektiveren Arbeiten führen. Sein Augenmerk richte sich nicht in erster Linie darauf, möglichst viele Kirchenmitglieder zu zählen, sondern die Leidenschaft für das Evangelium zu wecken.

Der gebürtige Nürnberger hat nach dem Abitur Lebensmitteltechnologie studiert. Nach dem Theologie-Studium in Reutlingen übernahm er Pfarrstellen in Hof-Stammbach und Schweinfurt-Würzburg. Im Jahr 2000 wurde er für zehn Jahre zum Superintendenten gewählt und war zuständig für rund 90 Gemeinden zwischen Schwarzwald und Bodensee. Seit 2010 ist er Pastor in Reutlingen. Rückert ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

Zahl der erwachsenen Mitglieder leicht rückläufig

Aktuell hat die Evangelisch-methodistische Kirche 52.000 Kirchenmitglieder in 480 Gemeinden mit 302 Pastoren. Die Zahl der erwachsenen Mitglieder sei leicht rückläufig, sagte die scheidende Bischöfin Wenner. Rechne man allerdings Kinder und Jugendliche hinzu, bleibe die Zahl seit Jahren annähernd konstant. Weltweit zählen mehr als 80 Millionen Christen zu den methodistischen Kirchen. Sie leben überwiegend in den USA, Afrika und Südostasien. 

Landesbischof Gerhard Ulrich (Schwerin), Leitender Bischof der Lutherischen Kirchen (VELKD), gratulierte Rückert zu der "anspruchsvollen, aber auch schönen" Aufgabe. Ulrich lobte das "tiefe ökumenische Engagement" der Methodisten. Die Freikirche ist Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) und im Weltkirchenrat (ÖRK).

Die methodistische Kirche ging im 18. Jahrhundert als Reformbewegung aus der anglikanischen Kirche in England hervor. Gründer ist der britische Geistliche John Wesley (1703-1791), der sich auch vom Reformator Martin Luther und dem deutschen Pietismus anregen ließ.