UN-Koordinator: Zustände in libyschen Lagern sind grauenhaft

Der UN-Koordinator für Libyen, Martin Kobler, hat davor gewarnt, aus dem Mittelmeer gerettete Bootsflüchtlinge nach Libyen zurückzubringen.

"Die Lage vor Ort in Libyen ist menschenunwürdig", sagte Kobler der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). Die Zustände in den 21 Lagern, in denen derzeit Flüchtlinge festgehalten würden, "sind furchtbar, entsetzlich, grauenhaft. Die Menschen werden im Dunkeln eingepfercht, müssen in Schichten schlafen, sie leiden an Unterernährung."

Darüber hinaus existierten Lager, die von Schleppern illegal betrieben würden und für UN-Vertreter nicht zugänglich seien, sagte Kobler. Von Flüchtlingen wisse er, dass dort gefoltert und vergewaltigt werde. "Es gibt zum Teil sogar Erschießungen, um Platz für Neuankömmlinge zu schaffen."

Der UN-Koordinator hält das gesamte Vorhaben der Bundesregierung und der EU für unrealistisch, mit Libyen nach dem Vorbild des Türkei-Deals einen Flüchtlingspakt zu schließen. Libyen sei kein funktionierender Staat. "Mit welcher Regierung will man einen solchen Pakt schmieden? Deutschland unterhält bislang schließlich nicht einmal eine eigene Botschaft in dem Land." Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte die Möglichkeit angesprochen, im Mittelmeer geretttete Flüchtlinge nach Libyen zu bringen.

In dem nordafrikanischen Land herrscht seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 Chaos und Gewalt. Zwei Regierungen und mehrere Milizen konkurrieren um die Macht. Die Macht von Ministerpräsident Fajas Sarradsch, mit dem die EU verhandelt, nimmt seit seiner Ernennung Ende 2015 eher wieder ab.