Hochzeit geplatzt – was nun?

Wie finden Menschen zurück zum Glauben an die Liebe?
Junge Frau hält einen herzförmigen Luftballon in den Händen.

Foto: CL./photocase.de

Offen für die Liebe bleiben, das ist nach einer Trennung gar nicht so einfach.

Philipp verlässt Julia - zwei Monate vor dem Hochzeitstermin. Im Telefoninterview erzählt sie, wie sie wieder auf die Füße gekommen ist. Eine Geschichte, die Mut macht, den Glauben an die Liebe nicht zu verlieren.

Im vergangenen August sollte die Hochzeit sein. "Alles war schon organisiert, die Einladungskarten versendet", sagt die heute 27-jährige Julia*. Doch dann Anfang Juni 2016, zwei Monate vor dem Hochzeitstermin, beendete ihr Verlobter Philipp die Beziehung. Als Julia klar war, dass er es wirklich ernst meint - auch wenn er die Worte "Die Hochzeit wird nicht stattfinden", kaum über die Lippen brachte – da ist sie ausgetickt. "Ich habe ihn nur noch angeschrien, da war so ein Schmerz in mir." Solche Gefühle hatte die in Fulda lebende Studentin zuvor noch nie gefühlt.

Dieser Tag ist nun fast acht Monate her. Heute kann Julia tatsächlich schon emotional gefasst über ihre Erfahrungen sprechen: Sie und der ebenfalls 27-jährige Philipp waren ungefähr 3,5 Jahre ein Paar. Er hatte in dieser Zeit schon öfters mal an der Beziehung gezweifelt, einmal waren sie sogar für 4 Monate getrennt gewesen, weil er sich nicht sicher war, ob er die Partnerschaft wirklich wolle. "Doch dann hat er von sich aus wieder um mich gekämpft. Er hatte sogar meine Eltern angerufen und gefragt, ob er noch einmal um mich kämpfen dürfe", erzählt Julia. "Meine Eltern erlaubten es, weil sie wussten, dass es damals genau das war, was ich mir tief in meinem Herzen wünschte."

So wurden die beiden wieder ein Paar und im September 2015 machte Philipp Julia einen Heiratsantrag. Die beiden planten ihre Zukunft, beruflich wollten sie gemeinsame Wege gehen, zusammen in eine norddeutsche Stadt ziehen. Auch als Philipp dann einige Monate im Ausland war, die Hochzeitspläne wurden weiter geschmiedet. Eine Location gebucht, das Kleid gekauft.

Als Philipp dann im Frühjahr 2016 wieder in Deutschland wohnte, zweifelte er zwar immer wieder an der Beziehung, doch Julia dachte sich: "Er kriegt nur etwas kalte Füße, wie viele Männer kurz vor der Hochzeit." Sie kannte ja auch schon Philipps Phasen der Unsicherheit aus früheren Zeiten der Beziehung. Und die gemeinsamen Hochzeitsplanungen liefen weiter.

Erst Anfang Juni, und zudem am Telefon, sagte Philipp dann klar die Worte: "Ich kann dich nicht heiraten." Das war ein Schock für Julia. Und sie sagte: "Wenn du das wirklich ernst meinst, setz dich in den Zug und sag mir das ins Gesicht." Zu diesem Treffen kann es kurze Zeit später. Seither habe sich die beiden nicht mehr gesehen.

"Nach der Trennung habe ich erstmal nur noch geheult", erinnert sich die Studentin. Die Trennungsgründe sind für sie bis heute nicht nachvollziehbar. Philipp sagte zum Abschluss Sätze wie: "Ich kann Dich nicht so akzeptieren wie du bist." - "Ich kann mit deinem Temperament nicht umgehen." Und: "Ich sehe andere Frauen und frage mich, warum du nicht aussiehst wie sie." Philipps Eltern waren gegen die Beziehung, vielleicht lag es auch daran?

Sehr dankbar ist Julia für die Unterstützung durch ihre Mutter in der schweren Zeit. "Sie hat sich damals extra frei genommen, war einfach für mich da, hat mich in den Arm genommen und ich habe geweint." Genau das habe Julia in der Situation gebraucht. Und ihre Freundinnen, die sich auch Urlaub nahmen, mit ihr raus gegangen sind – und mit ihr über den zuvor fest gelegten Hochzeitstermin in den Urlaub gefahren sind. "Ich habe gemerkt, dass ich richtig tolle Freundinnen habe." Sie haben auch für Julia gebetet.

Und ihr Glaube, der war für Julia ein großer Halt: "Ich habe gewusst, dass Gott da ist, auch wenn er mit mir weint." Besonders hilfreich war für Julia der Gedanke, dass sie sicher weiß, dass Gott einen wunderbaren Plan für ihr Leben hat, auch wenn es gerade so schmerzhaft ist. Ein Psalm ist ihr in dieser Zeit besonders wertvoll geworden: "Wer mit Tränen sät, wird mit Freuden ernten" (Psalm 126,5). Julia glaubt fest daran, dass aus den ganzen Kummer für sie Gutes wachsen kann.

Wieder auf die Füße kommen

Sie hat allerdings auch viel mit Gott gehadert: "Warum passiert das ausgerechnet mir?" Sie hat manchmal auf den Boden gestampft und geschrien. Doch irgendwann war da auch wieder der Frieden, und das innere Wissen, dass Gott auch jetzt bei ihr ist. Zudem lies Julia ihr Studium ruhen und kümmerte sich um sich selbst. In ihrer Gemeinde bietet eine diplomierte Psychologin Seelsorge an, die Gespräche mit ihr haben Julia gut getan.

Es ist erstaunlich, wie kraftvoll, gefestigt und positiv die junge Frau so wenige Monaten nach der Trennung schon von ihren Erlebnissen berichten kann. "Irgendwann konnte ich nicht mehr weinen, dann war es einfach vorbei", das war so im September. Julia hat jetzt eine neue Wohnung in Fulda, ihr Masterstudium wieder aufgenommen und wird es bald beenden. Sie plant ihr Leben neu.

Julia sagt, sie hat Philipp sogar schon vergeben - wobei vergeben natürlich nicht vergessen bedeutet. "Für mich heißt Vergebung die Dinge an Gott abzugeben." Sie findet sogar, dass es ein mutiger Schritt von Philipp gewesen sei, sie nicht zu heiraten und es sei ihm bestimmt schwer gefallen, sie so zu verletzen. Er hatte sich im letzten November nochmal gemeldet und wollte sich mit ihr treffen. Doch Julia will ihn nicht mehr in ihrem Leben haben: "Das ist vorbei."

Von Anfang an hat Julia zu Gott vor allem gebetet, dass er sie offen dafür sein lasse, jemand Neuen zu treffen. Sie möchte ihr Herz nicht verschließen, sondern offen für die Liebe bleiben. Sie sagt, dass ja schon in der Bibel steht: "Mehr als alles hüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus" (Sprüche 4,23).

* Die Namen der Personen sind in diesem Text verändert, um Privatsphäre zu schützen.