Khorchide plädiert für "Jahr der Barmherzigkeit" für Muslime

Muslime beten im Gebetsraum einer Moschee.

Foto: dpa/Fredrik von Erichsen

Der Theologe Mouhanad Khorchide hat ein "Jahr der Barmherzigkeit" für Muslime vorgeschlagen. Ein solches Jahr sollten die Gläubigen dazu nutzen, um die "innerislamischen Verhältnisse kritisch zu reflektieren" und die nichtislamische Welt zum Gespräch über die gemeinsame Verantwortung für eine barmherzige Welt einzuladen, schreibt der Professor für islamische Religionspädagogik in der "Zeit"-Beilage "Christ & Welt".

Die Rede von der Barmherzigkeit im Islam müsse sich dringend theologisch, zwischenmenschlich und politisch "stärker entfalten". Der islamische Theologe bezieht sich mit seinem Vorschlag auf das Jahr der Barmherzigkeit, das Papst Franziskus für das Jahr 2016 ausgerufen hatte.

Anders, als es sich für viele Menschen darstelle, betone der Koran "die Barmherzigkeit wie kein anders heiliges Buch" und beschreibe die Barmherzigkeit Gottes als absolut, schreibt Khorchide. Die islamische Tradition habe jedoch "in vielen ihrer Positionen diesen barmherzigen Gott zugunsten eines weniger sympathischen Gottesverständnisses vernachlässigt".

So seien islamische Positionen zu finden, die das Recht auf Selbstbestimmung einschränkten, Gewalt gegen Nichtmuslime legitimierten, Frauen benachteiligten und Homosexuelle mit dem Tod bedrohten, schreibt Khorchide, der an der Universität in Münster das Zentrum für Islamische Theologie leitet.

Das alles müsse in einem innerislamischen Dialog "mit viel Mut und Willen zur Barmherzigkeit angegangen werden", fordert der Professor, der bereits vor vier Jahren das Buch "Islam ist Barmherzigkeit: Grundzüge einer modernen Religionen" veröffentlicht hat. Dazu gehöre auch, dass der Gedanke der Barmherzigkeit im Glauben und im Alltag der Muslime eine größere Rolle spielen müsse.