Hanna-Jursch-Preis der EKD an der Universität Halle verliehen

Ulrike Witten ist für ihre Dissertation mit dem Hanna-Jursch-Preis ausgezeichnet worden.

Foto: epd-bild/Jörg Hammerbacher

Ulrike Witten ist für ihre Dissertation mit dem Hanna-Jursch-Preis ausgezeichnet worden.

Die Theologinnen Ulrike Witten, Christin Matuschek und Sonja Kristina Weeber sind an der Theologischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit dem Hanna-Jursch-Preis ausgezeichnet worden.

Der Hanna-Jursch-Preis ging dabei an Ulrike Witten, der Nachwuchspreis an Christin Matuschek und Sonja Kristina Weeber. Der Hanna-Jursch-Preis fördert die theologische Forschung aus Frauenperspektive, der Nachwuchspreis unterstützt wissenschaftlich-theologisches Arbeiten mit Genderperspektive.

Das Thema der achten Ausschreibung war "Gerechtigkeit". "Der Zusammenhang von göttlicher und menschlicher Gerechtigkeit war von Anfang an ein Anliegen reformatorischer Theologie", sagte Bischof Markus Dröge, Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, in seiner Geleitrede zur Preisverleihung in Halle.

Es sei richtig und wichtig, dass das Thema Gerechtigkeit heute in all seinen Dimensionen beleuchtet und eingefordert werde. "Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Gender Studies Gefahr laufen, durch Populisten in Verruf zu geraten und in der etwa in der lettischen evangelischen Kirche keine Frauen mehr ordiniert werden, gilt es umso mehr, wachsam zu sein und für Gerechtigkeit zu kämpfen." Dies geschehe gerade auch durch theologische Arbeit, die klar herausstellt, dass und wie Gendergerechtigkeit biblisch und theologisch-systematisch begründet ist, so Dröge weiter.

Würdigung der Nachwuchsarbeiten

Ulrike Witten erhielt den Hauptpreis für ihre Dissertation "Diakonisches Lernen an Biographien. Elisabeth von Thüringen, Florence Nightingale, Mutter Teresa." In seiner Laudatio würdigte Ernst-Joachim Waschke die Arbeit als eine glänzend geschriebene und klug erarbeitete wissenschaftliche Monographie, in der es gelungen sei, die Geschichte ganz unterschiedlicher Frauengestalten in ihrem diakonischen Handeln kritisch zu erfassen. "Diakonisches Handeln lässt sich ohne die Orientierung an Gerechtigkeit und dem daraus resultierenden Einsatz für entsprechende gesellschaftliche Strukturen gar nicht denken", sagte Waschke. Frau Witten bringe in ihrer Arbeit mit den drei Biographien vielfältige und neue Facetten diakonischen Handelns zur Sprache und in ihren didaktischen Perspektiven zur Diskussion, so dass aus kritischen Reflexionen und ambivalenten Wahrnehmungen eigene Motivation und Handlungsorientierung gewonnen werden könnten. Ulrike Witten wurde 1982 in Leipzig geboren und studierte für das Höhere Lehramt an Gymnasien die Fächer Evangelische Religion und Geschichte. Ihre Promotion absolvierte sie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Die Würdigung der Nachwuchsarbeiten nahm Elisabeth Naurath vor. Sonja Kristina Weeber erhielt den Preis für ihre Masterarbeit "Dissident*innen im Kampf gegen den § 218 – Beiträge feministischer Theolog*innen in den deutsch-deutschen Diskussionen um den Schwangerschaftsabbruch zwischen 1971 und 2001 – Eine diskurstheoretische Analyse". In ihrer sehr gründlich erarbeiteten Studie würden nicht nur feministisch theologische Arbeiten zum Schwangerschaftsabbruch kritisch untersucht, sondern deren marginalisierte Stimmen im Mainstream der politischen, gesellschaftlichen und kirchlichen Entscheidungsgewalten neu zu Gehör kommen. Dies rechtfertige eine dezidierte Würdigung dieser Nachwuchsarbeit – insbesondere und ganz besonders unter der Ausschreibung des Themas Gerechtigkeit.

Christin Matuschek erhielt den Nachwuchspreis für ihre Staatsexamensarbeit "Der Beitrag der Queer Theologie als Fortführung feministischer Ansätze im Religionsunterricht".  Die Arbeit gehe der Frage nach, wie eine Religionspädagogik bzw. konkret der Religionsunterricht heute aussehen könne, wenn er sich dem theologischen Prinzip der Gerechtigkeit verantwortlich fühle, führte Naurath aus. Insgesamt gebe die Arbeit zukunftsweisende Impulse das im englischsprachigen Raum längst etablierte Programm des befreiungstheologischen Ansatzes einer 'queer theology' auch für die deutsche Religionsdidaktik so fruchtbar zu machen, dass es über die Lernmaterialien Einzug in die religionspädagogische Schulpraxis gewinnen könne", so die Laudatorin weiter. "Diesem konstruktiven Beitrag gebührt große Wertschätzung", so Naurath weiter.

Der Hanna-Jursch-Preis ist mit 5.000 Euro, die Nachwuchspreise sind mit je 1.000 Euro dotiert. Der Hanna-Jursch-Preis wird alle zwei Jahre verliehen und ist der einzige Wissenschaftspreis der Evangelischen Kirche in Deutschland.