Kritik an Museumsdebatte um Terror-LKW

Der Lkw nach dem Terroranschlag in Berlin, bald im Museum?

Foto: dpa/Britta Pedersen

Der Lkw nach dem Terroranschlag in Berlin, bald im Museum?

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hält eine Debatte zur Frage, ob der LKW vom Terroranschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz ein Museumsstück werden soll, für verfrüht.

"Wenn es um ein würdiges Gedenken gehen sollte, wird der Senat sich dem gegenüber nicht verschließen", sagte Müller dem Berliner "Tagesspiegel" (Donnerstag). "Die Angehörigen trauern, sind noch völlig geschockt von den Ereignissen, und im Krankenhaus liegen nach wie vor schwer verletzte Opfer", sagte Müller. Er fügte hinzu: "So kurz nach dem Anschlag eine Debatte zu führen, ob das Tatwerkzeug ausgestellt werden soll, finde ich persönlich zu früh und auch nicht würdevoll."

Das Haus der Geschichte in Bonn hatte Medienberichten zufolge zuvor in Erwägung gezogen, den LKW künftig als Museumsstück auszustellen. Am 19. Dezember war der Terrorist Anis Amri mit dem Sattelschlepper auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz gerast. Bei dem Anschlag wurden zwölf Menschen getötet und rund 50 teils schwer verletzt.

Der Historiker und Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Hans Walter Hütter, hatte den Angaben zufolge eine mögliche museale Nutzung des LKW nicht ausgeschlossen. In dem Bonner Museum werden demnach auch Objekte des RAF-Terrorismus gezeigt sowie Teile der Nagelbombe, die die rechte Terrorgruppe NSU 2004 in Köln zündete.

Spekulationen über eine museale Verwendung des LKW vom Breitscheidplatz stießen zunächst auf Kritik. Der Sprecher von Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke), Daniel Bartsch, bewertete die Idee gegenüber dem "Tagesspiegel" als "extrem an der Grenze zur Pietätlosigkeit". Eine generelle Diskussion über ein dauerhaftes Gedenken und dessen Form müsse es sicher geben, aber mit gebührendem zeitlichen Abstand.

Auch aus dem Haus von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hieß es, dass die Aufarbeitung des Terroranschlags sowie die Diskussion zur Verhinderung solcher Straftaten im Vordergrund stehe. "Konkrete und sachgerechte Überlegungen zum Umgang mit dieser schrecklichen Terrortat im öffentlichen Bewusstsein wären vor Abschluss dieser Aufarbeitung verfrüht", sagte ein Sprecher von Grütters.

Update: Das Haus der Geschichte hat nicht vor, den LKW ins Museum zu übernehmen.