Pfarrer wertet Neonazi-Besetzung von Kirchturm als Provokation

Kirche und Rechtsextremismus

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Nach Angaben Stillers hatten die Rechtsextremisten auch Flugblätter mit der Forderung verteilt, die Gemeinden sollten sich einer islamfeindlichen Haltung anschließen.

Der Dortmunder Pfarrer Friedrich Stiller hat die vorübergehende Besetzung der Reinoldikirche durch Neonazis als "klare Provokation" bezeichnet. "Wir verurteilen die Besetzung des Reinoldikirchturms aufs Schärfste", sagte Stiller, der auch Sprecher des Dortmunder Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus ist, am Samstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Wir stehen ein für ein friedliches Miteinander in Dortmund."

Nach Angaben Stillers hatten die Rechtsextremisten auch Flugblätter mit der Forderung verteilt, die Gemeinden sollten sich einer islamfeindlichen Haltung anschließen. Das sei absolut unvereinbar mit den Positionen der evangelischen Kirche, betonte der Pfarrer, der das Referat für gesellschaftliche Verantwortung des Kirchenkreises Dortmund leitet. Er verwies auch auf die Erklärung "Wir alle sind Dortmund", eine religions- und konfessionsübergreifende Kampagne gegen islamfeindliche und antisemitische Bestrebungen. 



Am Freitagabend hatten Rechtsextremisten den in der Adventszeit geöffneten Turm der Reinoldikirche in der Dortmunder Innenstadt vorübergehend besetzt. Nach Polizeiangaben verbarrikadierten sie sich, hängten ein Transparent an die Brüstung und zündeten Feuerwerkskörper. Nach Stillers Worten skandierten sie zudem über ein Megafon Parolen. Gemeindevertreter hätten daraufhin aber die Kirchenglocken eingeschaltet und die Neonazis damit übertönt. Die Polizei beendete die Besetzung nach eigenen Angaben und nahm acht Personen fest.