"Brot für die Welt": Handelsabkommen müssen Armut mindern

Internationale Handelsabkommen dürfen nach Überzeugung der Entwicklungshilfe-Expertin Cornelia Füllkrug-Weitzel die Armut nicht verschärfen. Sie müssten vielmehr armutsmindernd sein, sagte die Präsidentin der kirchlichen Hilfsorganisationen "Brot für die Welt" und Diakonie Katastrophenhilfe am Samstag bei der Herbsttagung des Politischen Clubs in der Evangelischen Akademie Tutzing.

So dürften Menschenrechte nicht untergraben werden, außerdem müssten die Abkommen ökologisch und sozial nachhaltig sein, betonte die evangelische Theologin. Grundvoraussetzung bei den Verhandlungen sei die Fairness, also, dass alle am Handel beteiligten Staaten tatsächlich in die Verhandlungen miteinbezogen werden und dass die besondere Situation von Entwicklungsländern berücksichtigt wird. Füllkrug-Weitzel sprach zum Thema "Freihandel und Weltwirtschaft: Hemmnis oder Chance für Entwicklungsländer?"

Füllkrug-Weitzel appellierte auch an die Europäische Union und die Weltgemeinschaft, sich an ihre Selbstverpflichtungen zu halten. Die EU habe sich im Lissabon-Abkommen dazu verpflichtet, in allen nach außen gerichteten Wirtschaftsaktivitäten den Schutz der Menschenrechte zu berücksichtigen und dass diese entwicklungsfördernd sein müssen. Daneben sei im Pariser Klimaabkommen und der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung festgelegt, wie Handel der Armutsbekämpfung beziehungsweise dem Umweltschutz gerecht werden solle.


Sich an diese Selbstverpflichtungen zu halten, liege auch im Interesse der reichen Länder, betonte Füllkrug-Weitzel. Denn so bekämpfe man die derzeit vieldiskutierten Fluchtursachen. Die EU etwa müsse sich fragen, ob ihre Art von Handel dazu beiträgt, dass den Menschen in Entwicklungsländern ihre Lebensgrundlage entzogen wird und sie so zur Flucht gezwungen werden. "Und wenn dem so ist, müssen wir das rasch abstellen, wenn wir nicht wollen, dass die Menschen übers Mittelmeer zu uns kommen."