Trauer um Shimon Peres - Merkel und Gauck würdigen Versöhnungswillen

Porträtfoto von Schimon Peres.

Foto: dpa/Jens Büttner

Schimon Peres starb mit 93 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls.

Spitzenpolitiker und Repräsentanten von Religionsgemeinschaften aus aller Welt trauern um Shimon Peres.

"Er war zutiefst davon überzeugt, dass Israelis und Palästinenser friedlich nebeneinander leben können", erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Tod des früheren israelischen Präsidenten. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte Peres als "treuen Freund" Deutschlands. US-Präsident Barack Obama nannte den Friedensnobelpreisträger einen Staatsmann, dessen Engagement für Israels Sicherheit und Frieden auf einer unerschütterlichen Moral und einem unermüdlichen Optimismus basiert habe.

Papst Franziskus würdigte Peres' "unermüdliche Friedensbemühungen". "Ich hoffe, dass die Erinnerung an ihn uns alle dazu anregt, umso dringender für Frieden und Völkerversöhnung zu arbeiten", betonte das Kirchenoberhaupt.

Beständig für den Frieden gearbeitet

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) würdigte Peres als große Figur der Zeitgeschichte und religiösen Menschen. "Sein Versöhnungswerk, das sich auf ein tiefes Vertrauen in den von Gott verheißenen Frieden stützen konnte, bleibt über seinen Tod hinaus als Hoffnungszeichen bestehen", erklärte der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, erklärte: "Mit dem Tod von Shimon Peres trauern wir um einen Brückenbauer für den Frieden im Nahen Osten."

Josef Schuster, Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, betonte, Peres' Tod sei nicht nur für die jüdische Welt ein herber Verlust: "Sein legendärer Satz, dass es keine Alternative zum Frieden gibt, wird immer seine Gültigkeit behalten." Ähnlich äußerte sich der Jüdische Weltkongress: Peres habe nicht nur über Frieden geredet, sondern beständig dafür gearbeitet.

Peres war in der Nacht zu Mittwoch im Alter von 93 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Er war von 2007 bis 2014 Staatsoberhaupt und hatte zuvor zahlreiche andere politische Ämter bekleidet. 1994 erhielt Peres zusammen mit Palästinenserführer Jassir Arafat und dem israelischen Regierungschef Jitzchak Rabin für die Friedensbemühungen im Nahen Osten den Friedensnobelpreis.



Merkel schrieb in ihrer Kondolenz an den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, Peres habe sich allen Widrigkeiten zum Trotz für einen Ausgleich mit der arabischen Welt eingesetzt. Gauck hob in einem Schreiben an den amtierenden israelischen Präsidenten Reuven Rivlin hervor, Peres' Leben könne jungen Menschen ein Vorbild sein. "Wir Deutschen werden besonders seine Bereitschaft zur Versöhnung im Gedächtnis behalten", erklärte das Staatsoberhaupt: "Trotz der Gräueltaten, die Deutsche an seiner Familie und seinem Volk während des Holocausts verübten, reichte Shimon Peres uns die Hand."

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) nannte Peres einen "Brückenbauer über dem 'Abgrund der Geschichte', der unser Land mit Israel verbindet". Wie Gauck erinnerte Lammert an die Rede von Peres zum Holocaustgedenken am 27. Januar 2010 im Bundestag. Unvergessen sei ihm vor allem ein Satz: "Die Shoa darf uns nicht davon abhalten, an das Gute zu glauben."

Spitzenpolitiker der Europäischen Union beschrieben Peres' Vermächtnis als Verpflichtung, für den Frieden zu arbeiten. "Wir müssen sein Vermächtnis am Leben erhalten, indem wir seine unermüdlichen Anstrengungen für Frieden, Kooperation und Koexistenz im Nahen Osten und weltweit fortsetzen", erklärten EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und EU-Ratspräsident Donald Tusk. Peres sei außerdem "ein Mann von unglaublichem Geist, Humor, Charme, harter Arbeit und Engagement" gewesen, hieß es in der gemeinsamen Erklärung.